Der Fruehling erwacht

Nachdem wir vom Spring Break in der Karibik zurueck waren (und im Schneegestoeber landeten, man erinnere sich...), wurde es gluecklicherweise auch hier in Indiana bald darauf etwas fruehlingshafter. Der Tag unserer Rueckfahrt vom Flughafen war der letzte Tag, an welchem es schneite. Und ich hoffe, dass es der letzte dieser Saison bleibt!

Um die Eisheiligen schon mal auf andere Gedanken zu bringen, habe ich die Schneeflockendeko an unserem grossen Fenster gegen froehliche bunte Blumen ausgetauscht.

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Und nein, die haengen da nicht, weil ich besonders stolz auf meine Bastelkuenste waere, sondern weil schon einmal ein kleiner Vogel in die Scheibe geflogen ist und ich das gerne in Zukunft vermeiden wuerde. Die Blumen sind nur da, bis ich eine sinnvollere Moeglichkeit finde, das Fenster zu markieren. Ich bin wie immer offen fuer Vorschlaege!

Die Tier- und Pflanzenwelt Indianas

Nicht nur die Blumen beginnen rundherum zu spriessen, man sieht auch sonst immer mehr von der lokalen Flora und Fauna. Waehrend wir im letzten Sommer / Herbst grossmehrheitlich mit anderen Problemen (= an einem neuen Ort einleben, Haus kennen lernen, neuen Job beginnen, Laub rechen, ...) beschaeftigt waren, und zudem wie immer oft unterwegs waren, haben wir davon bisher nicht allzu viel mitbekommen. Zudem fiel ja schon relativ frueh der erste Schnee. So bekommen wir erst in diesem Fruehling richtig mit, wo wir hier eigentlich gelandet sind.

Nach zwei Jahren California fanden wir uns mit der Natur dort langsam zurecht. Nun muessen wir wieder von vorne beginnen. Das Klima ist hier zwar (im Gegensatz zu CA) sehr aehnlich wie in der Schweiz, und es sieht auch etwas aehnlich aus (Laubwaelder statt Palmen in CA, Wiesen statt duerrem Wildhafer in CA, ...), aber es gibt dennoch viele Unterschiede zu Europa. Ich war ja nie ein Profi im Pflanzen kennen, aber die wichtigsten Baeume und Straeucher kannte ich schon. Hier ist es manchmal richtig peinlich, wie wenig wir wissen. Zum Glueck gibt es sehr viele Eichen hier, die kennen wir gerade noch. Aber dann hoert es schon bald einmal auf. Tollerweise freut sich unsere Nachbarin jedesmal, wenn sie mir wieder erklaeren kann, welches Gewaechs wie heisst. Jetzt muesste ich mir nur noch die Namen merken koennen..! Und dann auch noch alles auf Englisch... Mein momentaner Lieblingsbaum ist der Redbud. Der blueht im Moment hier ueberall, und zwar wunderschoen violett. Redbud wird auf Deutsch offenbar mit "Judasbaum" uebersetzt. Nie gehoert.

Zu der Pflanzenwelt komme ich spaeter nochmal. Zuerst aber zu den Tieren. Zum einen sind da die Waschbaeren, die es haufenweise gibt, aber die sich irgendwie immer vor mir verstecken - ich habe jedenfalls nie mehr einen gesehen. Vielleicht sollte ich mal abends in einen Park gehen... Und dann gibt es Eichhoernchen. Noch viel haufenweiser. Ueberall sieht man sie draussen rumrennen und auf Baeume klettern. Letzthin beobachteten wir eins das in einem ziemlichen Tempo und ziemlich weit ueber ein Telefonkabel balancierte. Lustige Viecher. Und dann gibt es Voegel. Auch hier gilt das gleiche wie bei Baeumen: Ich war nie ein Vogelprofi, aber so die gaengigsten Vogelarten kannte ich schon. Hier sehen wir immer mal wieder Voegel, die uns voellig unbekannt sind. Zum Beispiel diese zwei, die ich fotografiert habe weil sie so unglaublich dick (und somit amerikanisch) aussehen:

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Man sieht es auf dem Foto ohne Referenz natuerlich nicht gut, aber die Dinger sind echt gross! Hmm. Rundlich, roter Bauch - Rotkehlchen? Jein! Zwar sind sie nicht mit unseren Rotkehlchen verwandt (sie gehoeren zu den Drosseln (Rotkehlchen hingegen gehoeren zu den Fliegenschn├Ąppern, falls euch das gerade entfallen sein sollte.)), sind aber dennoch nach ihm benannt: American Robin oder Robin Redbreast oder einfach Robin. "Unser" Rotkehlchen heisst hier European Robin oder ebenfalls Robin Redbreast. Aber genug gelernt. Habe ich ausser Tiere zu beobachten sonst noch was gemacht?

Kleinere Pendenzen

Natuerlich habe ich. Zum Beispiel habe ich viele kleinere Pendenzen abgearbeitet, die bisher liegen geblieben waren.

Tuerstopper. Ein langweiligeres Thema gibt es wohl kaum. Dachte ich. Aus der Schweiz kenne ich nur eine Art Tuerstopper: Die runden, kleinen, weissen, unauffaelligen Dinger die man an die Wand schraubt, dort wo die Tuerfalle an die Wand knallen wuerde. Ueberraschung: Die gibts in den USA nicht. In California hatten wir so laengliche Tuerstopper, die unten an der Sockelleiste angebracht waren und worin sich immer Haare und Staub fing. Das war beim Staubsaugen muehsam, aber ansonsten war uns das damals relativ schnurz. Nun aber gehoert uns das Haus, und ich habe alle Tueren ab- und wieder anmontiert, und so musste ich mich zwangslaeufig eingehender mit diesem Thema beschaeftigen.

Auch hier waren zuvor diese laenglichen Tuerstopper an den Sockelleisten angebracht. So sah das aus:

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Nicht wirklich eine Augenweide, oder? Und wie gesagt relativ muehsam beim putzen. Ausserdem waren sie alt und haesslich und haetten sowieso ausgetauscht werden muessen. Aber was nun? Ich finde diese laenglichen Sockelleistenstaebchen unglaublich unaesthetisch und unpraktisch. Die kleinen runden Dinger fuer an die Wand gibt es nicht. Es gibt riesige (sicher 5cm im Durchmesser) weisse Knubbel, die man an die Wand montieren kann, aber die sind auch nicht wirklich der Brueller. Und dann gibt es zum Glueck noch eine weitere Variante.

Und zwar gibt es Tuerstopper, die man an das obere Scharnier der Tuere montieren kann. So wird die Tuere nicht durch die Wand, sondern ueber einen (einstellbaren) Winkel durch den Tuerrahmen gebremst. Das hat den Vorteil, dass es sehr unauffaellig und wie gesagt einstellbar ist. Der Nachteil ist jedoch: Wenn man die Tuere mit zu viel Schwung aufreisst, gibt es mit der Zeit Abdruecke in die Tuere! Nun ja, die gibt es bei den Sockelleistentuerstopper auch, die haben ja auch so eine kleine Abstoppflaeche. Insofern also nicht wirklich ein Argument dagegen. Also habe ich mich fuer diese Variante entschieden. Das sieht nun so aus:

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Anschliessend konnte ich die alten Tuerstopper an den Bodenleisten entfernen. Und somit auch endlich eine andere alte Pendenz erledigen: Die Sockelleisten im Schlafzimmer streichen! Die Waende waren ja schon laengst gemacht, nur die Leisten waren noch offen. Das ist jetzt auch endlich erledigt. Und weil ein Bild nur davon langweilig waere, habe ich noch unser neustes Moebel ins Bild geschoben:

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Das ist ein Tischchen, auf welchem wir unsere Kleider deponieren. Der Witz daran ist: Die Groesse ist genau so gewaehlt, dass man das Tischchen ueber das Bett schieben kann. So kann man zum Beispiel im Bett fruehstuecken oder, wenn man mal krank oder faul ist, im Bett am Laptop arbeiten. Es ist kein aesthetisches Meisterwerk, aber es erfuellt seinen Zweck. Ich wollte eigentlich irgendwann mal noch eine Kommode bauen, aber da ich in naechster Zeit wahrscheinlich eh nicht dazu kommen werde, dient dieses Tischchen schon mal als Ablageflaeche.

Dann gab es noch weitere Kleinigkeiten zu erledigen. Zum Beispiel sind ein paar Steckdosen oder Lichtschalter nicht sauber in die Wand eingebaut, so dass die Loecher groesser sind als die Abdeckplatte:

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Keine Ahnung wieso, und keine Ahnung warum das noch niemand geflickt hat, das gibt ja wirklich nicht viel zu tun!

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Etwas Moertel in die Luecke, trocknen lassen, drueber malen und gut ist.

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OK, wenn mans weiss sieht mans immer noch ganz leicht. Vielleicht muss ich nochmal drueber. Aber ich glaube wenn mans nicht weiss faellt es einem nun nicht mehr auf.

Ostern in Indiana

Ich habe endlich einen Laden hier in Lafayette gefunden, der richtigen schweizer Gruyere verkauft. Nicht die 1 Monat Version, die 12 Monate hoehlengereifte Version. Der Laden verkauft ebenfalls halbwegs brauchbares Brot - sprich solches, dem nicht die Luft ausgeht, wenn man mit dem kleinen Finger drauf drueckt. Der einzige Catch: Die Ware hat natuerlich seinen Preis. Aber ab und zu darf man sich was goennen, nicht wahr. So ueberraschte ich Mathias mit einem leckeren Kaesebroetchen!

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Ihr wisst ja gar nicht, wie gut ihr es habt. ;)

Und dann war auch noch Ostern. Das ist hier nicht so ein grosses Ding wie in Europa, interessanterweise, und das obwohl sehr viele Leute hier evangelisch sind. Ostern wird schon gefeiert, aber nicht ganz so dolle. Zum Beispiel ist nur der Ostersonntag ein Feiertag, Karfreitag und Ostermontag werden mehr oder weniger ignoriert.

Was sie sich natuerlich trotzdem nicht nehmen lassen, ist - wie bei jedem Feiertag - die kapitalistische Komponente. Selbstverstaendlich gibt es jenste Osterdekoration zu kaufen, und Suessigkeiten mit Ostermotiven: Wie bei uns gibt es Osterhasen und Schoko-Eier, aber es gibt zum Beispiel auch Marshmallow-Kuecken oder Schoko-Kreuze. Ja, das Passionskreuz. Aus Schoko. Fand ich persoenlich etwas seltsam, aber wems gefaellt... Ausserdem kann man fixfertig gefuellte Osternester kaufen, mit bestimmten Themen: Barbie, Superheld, Spielzeugauto, etc... Mathias und ich mussten ganz schoen grinsen, als wir im Regal mit den fertigen Nestchen einen Einkaufskorb sahen mit diversen Suessigkeiten und Spielsachen. Dort hatte wohl jemand angefangen, ein eigenes Nest zusammenzustellen, hat dann die fertigen gesehen und sich umentschieden...

Tendenziell verstecken Amis aber eher nicht ganze Nester, sondern einzelne Einheiten, zum Beispiel Eier. Die Kinder kriegen dann ein leeres Koerbchen und gehen die Dinger zusammensuchen. So gibt es zum Beispiel auch groessere, aufmachbare Plastikeier, die man fuellen kann, damit Kleinigkeiten nicht verloren gehen oder, wenn man sie draussen versteckt, dreckig werden.

Bei uns hielt sich die Osterdekoration in Grenzen, aber ein bisschen Farbe musste dann doch sein.

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Nicht fehlen durfte aber natuerlich die Nestchensuche.

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Wo ist es denn?

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Juhuu! Gefunden!

Diverse Aktivitaeten

Neben Ostern fanden noch andere Aktivitaeten statt. Zum Beispiel waren wir wieder einmal mit unseren Nachbarn im Theater, diesmal "Peter and the Starcatcher". Das ist die Vorgeschichte zu Peter Pan. Die Geschichte erklaert zum Beispiel, wie Captain Hook zu seiner Hakenhand kam, warum das Krokodil tickt und wie Peter Pan nach Neverland kam. Und wie beim Original wurde auch bei diesem Stueck Wert darauf gelegt, ein ganz spezielles Theater aufzufuehren. Ein Theater, welches sowohl fuer Kinder wie auch fuer Erwachsene sehenswert ist, und welches einen in eine kindliche, magische Welt entfuehrt. Und das praktisch ohne spezielle Tricks: Ausser einem langen Seil und zwei Schatzkisten werden fast keine Requisiten verwendet. Aber das Seil und die Kisten koennen zig verschiedene Funktionen einnehmen - man muss es sich nur vorstellen! Und auch die Schauspieler werden teilweise zu Objekten - z.B. zu Tueren - umfunktioniert. Und alles geht so schnell, und die Schauspieler sind top synchron und spielen super! Wirklich magisch. Sehr empfehlenswert falls sie mal nach Europa kommen. Schwer zu erklaeren aber sehr sehenswert. Wer ein paar Ausschnitte sehen moechte, um zu verstehen, was ich meine, kann das z.B. hier tun. Und nein, ich fand das Theater nicht nur darum cool, weil Piraten vorkommen!

Kurz darauf war auch noch der TEDx PurdueU Event. TED, fuer die die das nicht kennen, stand mal fuer "Technology, Entertainment and Design". Heute decken sie noch viel mehr Themen ab. Ihr Motto ist "Ideas worth spreading" - also Ideen oder Gedanken, die es wert sind, unter die Leute gebracht zu werden. An so einem TED Event kommen verschiedene Leute, die etwas zu sagen haben, und sprechen in relativ kurzen Vortraegen (meistens so 10-20 Minuten) zum Publikum. Die Vortraege werden gefilmt und anschliessend frei im Internet zur Verfuegung gestellt. Das Spannende daran ist, dass diese Leute oft sehr gut wissen, wovon sie reden - Wissenschaftler, Erfinder, Aktivisten, was auch immer - aber sie geben nicht einen wissenschaftlichen Vortrag, sondern brechen ihr Wissen herunter, so dass "Normalsterbliche" es verstehen koennen. Und nicht selten sind die Vortraege auch noch witzig oder emotional gemacht, so dass sie wirklich sehenswert sind. Und die meisten Vortragenden erzaehlen so leidenschaftlich ueber ihr Fachgebiet, dass es einfach spannend ist, zuzuhoeren. Falls ihr gute Einstiegsvideos sucht, hier meine persoenliche Favoritenliste:

Frans de Waal: Moral behavior in animals Verschiedene Studien zu moralischem Verhalten von Tieren. Es wird aufgezeigt, dass Tiere anderen Tieren helfen, und aber auch erwarten, dass im Gegenzug ihnen auch mal geholfen wird, und dass manche Tiere einen Sinn fuer Fairness haben. Der Vortrag wird untermalt mit witzigen Tiervideos. Absolut sehenswert.

Dan Pallotta: The way we think about charity is dead wrong Ein Video, welches ich immer als Argument bringe, wenn sich Leute beklagen, wie viel Geld Wohltaetigkeitsorganisationen fuer Werbung oder fuer ihre Angestellten ausgeben. Klar ist es schade, dass Geld, welches ich fuer einen guten Zweck spende, "nur" fuer Werbung ausgegeben wird. Wenn jedoch dadurch insgesamt viel mehr Geld gesammelt wird, kommt das eben schlussendlich dann doch dem guten Zweck zugute. Und wieso soll ein guter Manager einer Wohltaetigkeitsfirma nicht einen guten Managerlohn erhalten? Bei anderen Firmen finden wir das doch selbstverstaendlich.

Susan Cain: The power of introverts Wahrscheinlich nur interessant, wenn man sich zu den eher introvertierten Leuten zaehlt. Es geht darum, dass eigentlich viel mehr Menschen introvertiert sind, als man meint, und dass viele aktuelle Strukturen heutzutage so aufgebaut sind, dass sie eher extrovertierten Menschen dienen. So gehe viel Potential der Introvertierten verloren. Es geht nicht darum, dass ein Charakterzug besser oder schlechter sei als der andere, sondern darum, dass beide Varianten existieren und daher auch Platz haben sollen.

Derek Sivers: How to start a movement Ganz kurzer Vortrag, nur 3 Minuten, in welchem erklaert wird, wie eine Bewegung entsteht. Witzig!

Natuerlich sind die Videos auf Englisch, aber es gibt Untertitel in verschiedenen Sprachen. Rechts unter dem Video steht "Subtitles", dort draufklicken und "German" auswaehlen und voila.

OK, so viel zu TED. Was ist nun TEDx PurdueU? Das war ein Event, der im Stil von TED durchgefuehrt wurde, aber unabhaengig von TED ist. Daher TEDx. Das Vorgehen war aber genau gleich: Ein Abend, eine Buehne, acht Vortragende und eine kurze Tanzvorfuehrung. Und warum PurdueU? Weil alle Vortragenden eine Beziehung zu Purdue haben, sprich, sie haben alle hier studiert und einer arbeitet unterdessen hier. Gerade weil alle Vortragenden Purdue Alumni waren, hatte ich im Vorfeld nicht allzu viel von dem Abend erwartet, aber wir wollten es uns trotzdem mal anschauen. Und wir wurden positiv ueberrascht: Die Vortraege waren eigentlich alle ganz OK bis ziemlich gut, teilweise lustig, teilweise inspirierend. Also alles in allem wirklich ein spannender Abend. Und einen Apero gabs auch noch. Und ein Bildli von Mathias mit der Buehne.

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Natuerlich lassen wir uns nicht nur dauerberieseln, sondern wir gehen auch aktiv raus in die Natur. Das ist jetzt, wo das Wetter langsam waermer wird, wieder viel angenehmer. Und spannender. Denn manchmal liegt ein Cache auf der falschen Seite eines Baches. Dann muss man halt improvisieren!

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Manchmal fuehrt der Weg auch ueber eine nicht mehr vorhandene Bruecke. Hups. Auf der anderen Seite lag diesmal zum Glueck kein Cache, sonst haette Mathias sicher nasse Fuesse riskiert!

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Etwas Lustiges ist uns aber noch passiert. Und zwar fanden wir einen Cache, den es eigentlich gar nicht mehr geben sollte. Als wir dem schoenen Wabash Heritage Trail entlang spazierten, sagte Mathias ploetzlich: "Ist das ein Cache?" Da lag eine Munitionsbox, nur ein paar Meter vom Weg entfernt. Ich sagte noch, das koenne nicht sein, denn ganz in der Naehe ist ein anderer, und Caches muessen ja mindestens 0.1 Meilen voneinander entfernt sein. Wir schauten uns die Box trotzdem an, und auf der Seite war ein grosser Geocaching-Sticker (sonst haetten wir die Box natuerlich nicht angefasst). Wir oeffneten sie also, fanden wie ueblich ein Logbuch und ein paar Tauschgegenstaende, und so trugen wir uns ins Logbuch ein und versteckten den Cache etwas besser, so dass er nicht mehr einfach so offen rumlag.

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Zuhause suchten wir dann online nach dem Cache, und fanden heraus, dass dieser 2009(!) archiviert wurde, da sein Besitzer mit dem cachen aufgehoert hat. Offenbar hat er es nicht fuer noetig gehalten, den alten Container zu entfernen, oder er dachte, er sei eh laengst nicht mehr da. War er aber! Sachen gibts... Man findet nicht oft einen Geocache, nachdem man gar nicht gesucht hat!

Operation Liegestuhl

Nach all den kleinen Nebenprojekten komme ich jetzt noch zu unserem momentanen Hauptprojekt, unserem Garten. Und zwar sah der bisher so aus, man erinnere sich:

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Alles voller Efeu, Moos und Unkraut, und es liegt noch haufenweise Laub, da wir im letzten Herbst ziemlich frueh vom Schnee ueberrascht wurden. Der braune Ring um den Baum herum, das ist dort, wo ich letzten Herbst schon mal gejaetet hatte, aber natuerlich wuchs bisher kein Gras und so ist es jetzt einfach braune Matsche.

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Zudem lag auch noch einiges herum: Unsere unterdessen drei(!) Komposthaufen, gesammeltes Brennholz, Paletten welche uns Pige ebenfalls als Grillmaterial gebracht hat, und ganz viele Steine, die vor langer Zeit einmal als Abtrennung von Rasen zu anderem Gewaechs verwendet wurden, aber unterdessen laengst ueberwuchert waren.

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Um unsere Eiche herum wuchs immer noch kiloweise Efeu, obwohl ich dort schon mal ziemlich radikal gewuetet hatte. Die Dinger lassen sich nicht so einfach vertreiben. Und auch der hintere Teil des Gartens ist voellig ueberwuchert.

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Das Maeuerchen hinten hatten wir schon vom Efeu befreit. Leider hatte ich vergessen, ein vorher-Bild zu machen, daher muss ich auf eines vom Herbst zurueckgreifen, damals, als wir daran waren, die Baeume zu faellen:

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Jap, so sah das damals aus. Ein bisschen was hatten wir schon gemacht, aber nicht viel. Jetzt wollten wir Naegel mit Koepfen machen. Auf gehts!

Zuerst mal sammelten wir saemtliche Steine im Garten ein, egal ob sie offen dalagen oder laengst ueberwuchert waren. Teilweise mussten wir recht graben.

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Steindeponie vorher:

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Steindeponie nachher:

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Jap, wir haben ein halbes Stonehenge gefunden.

Blieb noch dieses wunderschoene Stueck Kunst:

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Laut unseren Nachbarn wurde dieses Teil als Klimmzug-Geraet gebaut, da der Sohn unserer Vor-Vorgaenger zu der Navy wollte. Wieso diese Stange mitten im Garten stehen musste, war uns nicht ganz klar... Unsere Vorgaenger hatten dann eine Kinderschaukel dran gehaengt, mit einem duennen Stoffband. Mutig.

Wir wollten das Ding jedenfalls loswerden. Und so schaufelte Mathias und schaufelte und schaufelte. Einen Meter tiefer war immer noch kein Ende vom Betonklotz in Sicht. Das Ding hat ein besseres Fundament als unser Haus... Mangels Presslufthammer haben wir - also hauptsaechlich Mathias - uns einen Tag lang mit einer Spitzhacke abgemueht. Die Kloetze sind zwar immer noch da, aber unterdessen gut 20cm unter der Rasenoberflaeche. Da unten kann man sie hoffentlich stehen lassen. Und die Holzpfosten sind jetzt genug freigelegt, um umgestossen zu werden:

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Nun zum Rasen. Der war ja an vielen Stellen fleckig, bestand hauptsaechlich aus Moos und Unkraut und ausserdem war der Boden drunter sehr uneben. Also beschlossen wir, statt einer langwierigen Symptombekaempfung lieber nochmal von vorne anzufangen. Sprich: Umpfluegen, ausebnen und neu saeen.

Nun. Wie pfluegt man einen 14 auf 16 Meter grossen Garten? Mit einem Pflug, natuerlich. Kleine gibt es fuer weniger als 150 Dollar zu kaufen, grosse gibt es fuer etwa 100 Dollar pro Tag zu mieten. Dann jedoch schlugen meine Eltern vor, jemanden anzustellen der das besser kann als wir. Dafuer mit einer richtigen Maschine. Das toent in der Theorie nicht schlecht, und Mathias fand jemanden auf Craigslist der das fuer nur 50 Dollar macht. Der Typ kam dann relativ spontan vorbei (ich war etwas ueberrumpelt), schaute sich den Garten an, und meinte, mit seinem Traktor komme er da nie rein. Und selbst wenn, koenne er nicht manoevrieren, und um den Baum rum wuerde er eh nicht kommen, und zudem hingen die Kabel zu tief. Geht also nicht. Aber er hat uns vorgeschlagen, jemanden anderes anzustellen, mit einem kleineren Geraet.

Mathias hat also weiter gesucht und auf Craigslist wieder jemanden gefunden, mit einem suessen kleinen Traktoerlein in der Groesse eines Sitzrasenmaehers, mit Pflug-Anhaenger. Optimal. Auch dieser Typ war sehr spontan und sagte, er kaeme am Nachmittag um drei vorbei, und wenn es ginge wuerde er den Garten gleich pfluegen. Wow. Irgendwie sind hier alle massiv spontaner als wir. Aber auch OK, speditiv ist ja eigentlich eine gute Sache. Mathias kam also extra um zwei von der Uni heim, und dann warteten wir, und warteten, und fingen mal an einen Teil des Gartenzauns abzumontieren damit der kleine Traktor auch rein kommt, und dann warteten wir, und um vier kam dann der Typ. Er schaute sich den Garten an, den grossen Baum, und fand: Nee, geht nicht. Sein Traktor sei zu klein, sein Pflug wuerde kaputt gehen wenn er aus Versehen in eine Baumwurzel fahren wuerde, usw. usf. Hrmpf.

Nun waren wir also erst mal ziemlich deprimiert. Mathias hatte schon so viel Zeit investiert, die Leute zu finden und mit ihnen zu kommunizieren, und es hatte sich so gut angehoert: Die fahren kurz durch, wir druecken ihnen irgendwie 100 Dollar in die Hand, fertig. Aber nein, ging nicht. Hrm. Als Mathias online nachschauen wollte, ob man irgendwo in der Naehe einen praktischen, grossen Pflug mieten kann, aber die Website der Firma katastrophal war und er zig Daten eingeben musste (inkl. Fuehrerscheinnummer und solchen Spaessen) nur um zu erfahren ob sie ueberhaupt solche Geraete im Angebot haben, wurde es uns zu bloed. Wir fuhren zum naechstbesten Heimwerkerladen, kauften uns den Billigpflug fuer 130 Dollar und gingen nach Hause, um zu pfluegen.

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So pfluegte also Mathias am Mittwoch und Donnerstag abends je ein Stuendchen den Garten um, waehrend ich mich daran machte, die ganzen Aeste, Blaetter und das Efeu wegzuraeumen. Denn mit einem grossen Pflug waere das einfach druntergemischt worden, aber der kleine hatte natuerlich keine Chance. Daher musste jetzt alles vorher weg.

Am Samstag war dann der grosse Tag. Und ich kann ehrlich sagen: das war einer der koerperlich anstrengendsten Tage meines Lebens. Wir als Buerogummis sind uns koerperliche Gartenarbeit natuerlich nicht gewohnt. Wir sind zwar nicht unsportlich, aber das brachte uns doch an unsere Grenzen. Wir fingen also am Samstag morgen gegen zehn mit der Arbeit an. Kiloweise rissen wir Efeu raus. Mathias schaufelte die beiden Loecher zu. Wir stachen unzaehlige Baeumchen aus - im Nachbargarten steht ein Baum, ich weiss leider nicht wie er heisst aber er ist unglaublich invasiv und robust. In unserem Garten waren zig Struenke, bei welchen jemand einfach jeweils den Stamm 2cm ueber dem Boden abgeschnitten hatte - und der wuchs trotzdem immer wieder weiter! Und als wir sie ausgruben waren unten riiiesige Wurzeln dran. Die Pflanze ist echt ein Biest. Muss nochmal unsere Nachbarin fragen wie das Ding heisst.

Mathias waere glaub pragmatischer als ich und haette den ganzen Garten kahl gemacht. Ich bestand jedoch darauf, ein paar der Blumen zu retten, und daher verpflanzte ich sie an den Rand des Gartens oder um die Eiche herum. Um eins waren wir KO. Wir gingen Spaghetti kochen - eine deftige Ladung Kohlenhydrate - und goennten uns nach dem Essen 10 Minuten Pause, bevor es wieder an die Arbeit ging. Pfluegen, anschliessend flachrechen, und weiterhin gegen Efeu, Baeumchen und allgemein Wurzeln kaempfen.

Um fuenf Uhr gab es eine ganz kurze Zvieripause, dann gings weiter. Unterdessen tat mir der Ruecken weh, meine Oberschenkel jammerten bei jedem Buecken und Aufstehen mehr, an den Haenden waren Blasen, und meine Arme fanden kaum mehr genug Kraft, um richtig am Efeu ziehen - die Dinger halten sich so gut fest! Unglaublich! Mathias war unterdessen daran, den freigelegten Raum zu pfluegen, danach zu rechen, danach festzustampfen, und anschliessend wieder etwas aufzurechen fuer das Gras. Unterdessen war es sieben, und noch immer war kein Ende in Sicht. Noch immer waren mehrere Quadratmeter der Flaeche, die wir unterdessen abgesteckt hatten, mit Efeu ueberwuchert. Und noch immer war nicht alles gepfluegt. Sollten wir die Aktion vertagen? Wir schauten den Wetterbericht an. Am Sonntag sollte es ab nachmittags regnen, am Montag den ganzen Tag lang. Hmmm. Das waere natuerlich schon optimal, dann muessten wir nicht so viel bewaessern!

Wir rissen uns noch einmal zusammen. Wir konnten kaum mehr stehen, und jeder Arbeitsschritt kostete unglaublich viel Ueberwindung. Wir sagten uns immer wieder: Liegestuhl. Liegestuhl. Im Sommer liegen wir im Liegestuhl auf dem Rasen. Und tun einfach NIX. Lesen. Doesen. Dem Wind in den Blaettern zuhoeren. Einen Drink schluerfen. Im Liegestuhl. Liegestuhl. Liegestuhl... Und so kaempften wir uns vorwaerts, Zentimeter um Zentimeter. Bis der letzte Efeu von der abgesteckten Flaeche verschwunden war, bis alles gepfluegt, gerecht, festgestampft und wieder aufgelockert war. Unterdessen war es nach neun Uhr abends.

Nun konnten wir natuerlich nicht aufgeben. Ich durfte das Saeen uebernehmen. Ich stolperte also in der Daemmerung ueber das Feld und verteilte die Grassamen. Mathias montierte den Gartenschlauch und bewaesserte den ganzen Garten.

Aufraeumen. Reingehen. Duschen. Restliche Spaghetti waermen und mampfen. Ab ins Bett. Vom Liegestuhl traeumen.

Am naechsten Morgen schauten wir uns unseren Kartoffelacker an und bewaesserten ihn noch einmal.

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Ui war ich froh mussten wir heute nichts mehr machen. Wir hatten ueberall Muskelkater, vor allem in den Fingern! Das ist ein sehr seltsames Gefuehl, welches ich glaub seit unserer Velotour 2009 nicht mehr hatte. Die Finger gehorchen einem einfach nicht mehr. Lustig.

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Jetzt ist also aufgeraeumt in unserem Garten. Nun bleibt einzig zu hoffen, dass das Gras dann auch wirklich waechst. Sonst siehts naemlich ziemlich schitter aus. Dann pflanzen wir halt Kartoffeln. Oder Mais, wir sind ja hier in Indiana.

Am Sonntag Nachmittag / Abend hats dann uebrigens wirklich geschuettet. Und am Montag immer noch. Wir hoffen jetzt natuerlich, dass es nicht alle Grassamen weggewaschen hat. Seit Dienstag ist nun wieder schoeneres Wetter, mit hoffentlich genuegend Sonne, und ab und zu gehen wir den Garten waessern. Ich bin ja gespannt, ob da was waechst. Wir haben ja nicht wirklich Ahnung, was wir da machen. Wir machen das alles zum ersten Mal. Wir haben uns zwar informiert, aber wir sind dennoch Anfaenger. Aber wir lernen, waehrend wir ausprobieren. Und wenn wirs jetzt nicht lernen, wann dann? Gaertnern kann man ja nicht einfach auf magische Weise, sobald man pensioniert ist. Und dieser Garten hier ist nun unser Lehrblaetz. Mal schauen, wie es damit weiter geht. Sonst stellen wir den Liegestuhl dann halt ins Maisfeld!

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