Indiana - Nevada - Washington DC - Indiana

Zurueck in Amerika haben wir ein paar Tage Zeit, bevor es auf die naechste Reise und an die naechsten Konferenzen geht. Wir nutzen die Gelegenheit, um am 11th Annual Midwest Geobash teilzunehmen. Das ist ein riesiges Treffen von Geocachern aus dem ganzen Midwest und Umgebung, mit etwa 2000 Teilnehmern! Das Treffen findet auf einem Campingplatz in Ohio statt, und viele Cacher sind dann auch das ganze Wochenende von Donnerstag bis Sonntag vor Ort, tauschen sich mit Gleichgesinnten aus, nehmen an Aktivitaeten teil und geben ihr Geld an den Geocache-Marktstaenden aus.

Wir fahren nur fuer den Samstag hin, da wir nicht schon wieder auswaerts uebernachten moegen. Da wir nur etwa drei Fahrstunden pro Weg haben, geht das recht gut. Witzig ist es allemal: So viele Bekloppte auf einen Haufen! Bei den umliegenden Geocaches gibt man sich die Dose regelrecht von Hand zu Hand, da man gar nicht dazu kommt, sie wieder zu verstecken, bevor die naechste Gruppe auftaucht. Das ist ziemlich lustig und man lernt Leute aus der ganzen USA kennen. Den skurrilsten Moment erleben wir, als Mathias ploetzlich zu einem Typen, der vorbei laeuft, sagt, er kenne ihn irgendwo her. Es stellt sich heraus, dass es "rainbow_guyz" aus California ist, und wir hatten ihn tatsaechlich ein einziges Mal bei einem Geocache Event in der Bay Area getroffen. Sachen gibts. Ich haette ihn nicht wieder erkannt, aber Mathias lag tatsaechlich richtig!

Etwas spaeter treffen wir noch jemanden anderes: Das Geocaching Maskottchen Signal!

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Das seltsame Ding auf seinem Kopf sollte uebrigens eine Antenne darstellen, daher auch sein Name. Der Frosch mit Antenne soll die Kombination von Technologie und Natur darstellen - beides ist ja sehr wichtig beim Geocachen.

Erster August in Indiana

Kurze Zeit spaeter ist es bereits der erste August. Urspruenglich hatten wir mit Pige und Dimitra abgemacht, dass wir einen Ausflug nach Berne, Indiana machen. Nur wenige Tage zuvor finden wir jedoch heraus, dass das Staedtchen einen "Swiss Days" Event macht - aber am Wochenende VOR dem ersten August! Der Anlass ist also schon vorbei! Schade aber auch. Wir beschliessen daher, naechstes Jahr zu gehen, und dann halt am Wochenende VOR dem ersten August!

Als Alternative gibt es nun also Fondue in unserem Garten. Auch schoen.

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Der nette Herr im Hintergrund ist ein spanischer Kollege von Pige und Dimitra, der gerade zu Besuch ist. Hier ist alles sehr international! Am spaeteren Abend kommen dann auch noch unsere Lieblingsnachbarn zu einem Glaeschen Wein vorbei, und es gibt schweizer Schoggibananen und amerikanische Marshmallows.

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Uebrigens: Schoggibananen kennen Amis auch, sie nennen es "Banana Boat". Lustig, nicht?

Waehrend wir vor Kurzem in der Schweiz waren und uns dort mit Lampions und einer schweizer Fahne eingedeckt haben, hatten wir Pige beauftragt, am 4. Juli (dem amerikanischen Nationalfeiertag) ein Feuerwerk - einen Vulkan oder so - zu besorgen. Pige liess sich nicht lumpen: Er hat nicht nur mehrere Vulkane, sondern noch ein paar andere Feuerwerke besorgt. Die lassen wir nun also in unserem Garten los. So laess!

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Ob das ganz legal war, wissen wir nicht sicher, aber es hat sich jedenfalls keiner beklagt. Es hilft, wenn man die Nachbarn vorher mit Wein besaenftigt!

Vegas, Baby!

Kurze Zeit spaeter machen wir uns auf den Weg nach Las Vegas. Der Landeanflug in Vegas ist immer sehr eindruecklich: Zuerst fliegt man meilenweit ueber Wueste, alles ist stockdunkel. Irgendwann fliegt man dann auf einen unglaublich hellen Fleck zu. Vegas besteht hauptsaechlich aus der einen wichtigen grossen Strasse, dem Strip, und sonst nur aus Suburbia. Mitten in der Wueste. Unglaublich skurril. (Das Foto ist leider etwas unscharf. Der Strip ist links oben entlang des Horizontes zu sehen.)

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Da die Konferenz erst in drei Tagen beginnt, haben wir ein Auto gemietet und machen damit ein bisschen Geocaching Urlaub. Hier in der umliegenden Wueste gibt es naemlich sogenannte Power Trails, also Strassen mit ganz vielen Geocaches. Der Minimalabstand zwischen zwei Caches muss immer 0.1 Meilen, also etwa 160 Meter, sein. Daher gibt es bei Power Trails etwa alle 160 bis 200 Meter einen Cache! Diese sind meistens auch nicht gross versteckt, hier draussen haelt ja auch keiner an, der nicht einen Geocache sucht. Bei Power Trails geht es also nicht speziell um schoene Orte oder gute Verstecke, sondern wirklich hauptsaechlich um Quantitaet.

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Wir gurken also einen Tag lang in der Wueste herum und sammeln Dosen ein. Fast 300 in einem Tag! Das ist schon nicht schlecht! Und die Aussicht ist ja auch herrlich, und das Wetter ebenfalls. So macht es trotzdem Spass, auch wenn das Einsammeln ziemlich eintoenig ist. Einer faehrt, der andere huepft alle paar Meter raus und signiert die Dose, und weiter gehts. Und nach jeweils 50 Caches wird Platz getauscht. Am Abend sind wir dann auch ziemlich KO - nix mit Party in Vegas!

Fuer den naechsten Tag haben wir uns etwas Spezielles herausgesucht: Den Extraterrestrial Highway! Und ja, das ist ein offizielles Strassenschild! Manchmal haben sie schon Humor, diese Amis. Der Highway heisst so, weil er nahe der Area 51 ist.

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Mathias hat auch passend dazu sein Star Wars T-Shirt an.

Wieso fahren wir zu diesem Extraterrestrial Highway? Na weil es hier auch einen Power Trail gibt! Und heute wollen wir unseren Tagesrekord von gestern toppen!

Das hier ist uebrigens unser bereits ziemlich verstaubtes Mietauto:

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Mathias hatte lange gesucht, bis er eine Mietfirma gefunden hatte, die Jeeps im Angebot hat. Doch als wir ankamen, hiess es, wir kriegen ein "Upgrade" - so nennen sie es, wenn das Auto, welches man urspruenglich ausgewaehlt hatte, nicht verfuegbar ist, und sie einem einfach ein anderes geben. Einen Stadt-SUV. Suuuper. Und damit sollen wir durch die Wueste brausen? Das ging gestern auf den Kies- und Sandwegen nicht so gut, daher sind wir froh, dass wir heute auf dem geteerten Highway fahren koennen.

Wir machen also unseren gewohnten Ablauf: Einer faehrt, einer huepft raus, und nach 50 Caches wird gewechselt. Wir sind nun ziemlich eingespielt und kommen auf der geteerten Strasse auch gut vorwaerts - bis wir auf seltsame Ausserirdische stossen!

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Bei naeherer Betrachtung stellen sie sich jedoch als nicht sonderlich intelligente Lebensform heraus.

Heute sind wir extrem erfolgreich: 512 Caches! 2^9! Das wird wohl fuer laengere Zeit unser Tagesrekord bleiben! Wir haben genug fuer den Tag und machen uns auf den Rueckweg. Unterwegs halten wir in dem kleinen Doerfchen Rachel an. Seht ihr die fuenf Haeuser im Hintergrund? Ja, das ist Rachel.

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Rachel ist ein kleines Bauerndorf in der Wueste von Nevada. Seit jedoch dieser beruehmte Geocaching Power Trail aufgegangen ist, machen sie ihr Geld hauptsaechlich mit Geocachern. (Und Hobby-Astronomen und Alien-Freaks, die die Area 51 sehen wollen.) Denn weit und breit gibt es hier kein anderes Hotel als die "Little A'Le'Inn". Der Power Trail hat ueber 2000 Caches, man koennte sich also schon ein paar Tage hier vergnuegen! Aber wir haben eigentlich genug und gehen nur zum Znacht kurz in der Inn vorbei. Und das ist schon ein Erlebnis fuer sich!

Das Hauptgebaeude der Inn ist Restaurant, Bar, und Souvenirshop in einem. In der Mitte stehen Esstische, an einer Wand ist eine lange Bar, und an den anderen drei Waenden stehen Regale mit jenstem sinnlosen Krimskrams, den man kaufen koennte - hauptsaechlich zum Thema Alien. Es gibt Shirts, Magnete, Flaschenoeffner, Alien-Stofftiere, Flaggen, Abzeichen, Geocacher-Dinge, sogar Saucen mit Aliens drauf. Alles. Wir kaufen uns wie immer ein Magnetchen.

Wir essen im Resti Znacht. Mathias' Burger nennt sich Fliegende Untertasse. An der Bar sind ein paar Einheimische am Bier trinken. Da wir im Moment die einzigen Gaeste sind, erlangen wir schnell Aufmerksamkeit. Als sie unseren Akzent bemerken, fragen sie natuerlich, woher wir kommen. Mathias gibt ihnen drei Versuche zu erraten, woher er ist. Wenn sie es heraus finden, zahle er eine Runde! Nun kommt natuerlich Schwung in die Sache, und alle beginnen zu raetseln und holen ihre Handies raus um die Europakarte anzuschauen. Europa war natuerlich schnell klar, aber welches Land? Nun, ich mache es kurz, sie finden es natuerlich nicht heraus. Lustig ists trotzdem und sorgt fuer Gespraechsstoff.

Ein weiteres lustiges Ding der Bar ist: An der Decke haengen lauter 1-Dollar-Noten, die verziert wurden. Wir kriegen eine Buechse voller Filzstifte und verewigen uns ebenfalls!

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Unterdessen kommen zwei neue Gaeste, und wir sind zum Glueck nicht mehr das einzige Zentrum der Aufmerksamkeit. Die beiden sind lustigerweise auch Schweizer, die hier in Geocaching-Urlaub sind! Sie sind aber nicht sonderlich gespraechig, und so ueberlassen wir sie ihrem Schicksal mit den Einheimischen und machen uns aus dem Staub. Wir haben schliesslich noch eine zweistuendige Autofahrt im Dunkeln vor uns.

Die Anfahrt mit dem Auto auf Las Vegas ist aehnlich ueberwaeltigend wie ein Anflug per Flugzeug. Man fahrt zwei Stunden lang durch totale Finsternis in der Wueste, und ploetzlich ist alles schlagartig hell. Vegas fasziniert mich einfach immer wieder.

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Am dritten Tag haben wir keine Lust mehr auf noch einen so anstrengenden Tag. Wir suchen uns ein weiteres Staedtchen in der Naehe aus, um auch dort noch ein wenig cachen zu gehen, aber nicht ganz so wild wie gestern. In Vegas werden wir ja noch ein paar Tage lang sein, das koennen wir uns ja auch spaeter noch einmal anschauen - und zudem sind wir unterdessen schon zum etwa sechsten Mal dort. Die Wueste hingegen ist extrem spannend, und ausserdem haben wir fuer heute noch das Auto, also fahren wir los! Ab ins Nirgendwo!

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Unser Ziel fuer heute ist es, genug Caches zu finden, damit wir in den drei Tagen auf ueber 1000 kommen. Das ist nicht mehr allzu wild, und das schafen wir auch. Jetzt haben wir aber fuer ein paar Tage die Cacher-Schnauze gehoerig voll!

Neben den Geocaches finden wir aber noch etwas anderes Interessantes mitten in der Wueste: Ein verlassener Trailerpark! Mit heruntergekommenen und ausgeschlachteten Haeusern und Autos. Und weit und breit kein Mensch zu sehen. Voellig faszinierend! Wir getrauen uns aber doch nicht, uns die verlassenen Wohnwagen anzusehen, denn wer weiss, vielleicht sind ja irgendwo doch noch ein paar Leute am Meth kochen, und ich moechte nur ungern mitten in der Wueste Nevadas ein paar Drogenjunkies mit Schrotflinten begegnen.

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So begnuegen wir uns damit, unweit der Wracks unser Auto zu parkieren und im Kofferraum sitzend die Szenerie auf uns wirken zu lassen, waehrend wir unseren Zmittag verzehren. Uebrigens, die drei Tage lang haben wir uns zum Zmittag jeweils mit Kaese und Toast verkoestigt. Das Lustige daran ist: In der Wueste ist es so heiss, dass das Toastbrot waehrend wir am essen sind getoastet wird! Mjamm!

Am naechsten Tag faengt nun die Defcon Konferenz an. Da dies eine Konferenz fuer die Allgemeinheit ist, gehe ich wieder mal mit. Erinnert ihr euch an den CCC in Hamburg, ueber den ich im letzten Dezember geschrieben hatte? Defcon ist aehnlich, quasi das amerikanische Aequivalent dazu.

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Auch hier ist die Stimmung ausgesprochen gut, konstruktiv, wissbegierig. Die Leute kommen her, um zu lernen, um sich auszutauschen, und um Spass zu haben. Das gefaellt uns sehr gut. Neben den Vortraegen gibt es auch Spassanlaesse, zum Beispiel eine Poolparty. Ab und zu machen Mathias und ich uns auch alleine auf, um einmal mehr Vegas zu entdecken. Es gibt halt schon unglaublich viel zu sehen hier! Mir gefaellt es am besten, Leute zu beobachten. Es gibt die skurrilsten Gestalten hier. Und wir zwei sind mitten drin!

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Meistens gibt es drei Vortraege gleichzeitig, und die Teilnehmer verteilen sich auf drei Raeume. Bei dem Abschlussanlass wollen natuerlich alle noch einmal dabei sein, und so wird einem erst richtig bewusst, wie viele Menschen sich hier eigentlich tummeln!

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Noch waehrend die Abschlussveranstaltung laeuft, muessen Mathias und ich uns aus dem Staub machen, denn bald geht unser naechster Flug! Und morgen frueh ist Mathias' naechste Konferenz, am anderen Ende der USA. Und im Gegensatz zu dieser wird die naechste Konferenz keine Spasskonferenz!

Da wir ueber Nacht fliegen muessen und es keine besseren Optionen gab, fliegen wir einen kleinen Umweg ueber - natuerlich - San Francisco! Weil wir da noch nicht oft genug gelandet sind? Und, Ueberraschung, Cisco liegt einmal mehr im Fog. Alles wie immer.

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Nun trennt uns nur noch ein letzter 5-stuendiger Nachtflug von unserem vorlaeufig letzten Reiseziel. Schlaftablette und gute Nacht!

Washington, DC

Ziemlich uebermuedet landen wir am naechsten Morgen frueh in Washington, DC. Wir nehmen ein Shuttle zum wohl unfreundlichsten Hotel, in welchem wir je uebernachtet haben. Und ja, ein richtiges, teures Hotel. Wir wurden in praktisch jedem billigen Motel besser behandelt. Es faengt damit an, dass wir noch nicht einchecken koennen. Klar, ist ja erst 8 Uhr morgens, und Check-In ist normalerweise irgendwann am Nachmittag. Verstehen wir. Koennen wir halt noch nicht ins Zimmer, kein Problem - aber kann Mathias wenigstens einchecken, damit ich dann am Nachmittag zur richtigen Zeit einen Schluessel abholen kommen kann? Denn Mathias' Konferenz wird wohl etwas dauern, und wir sind muede und ungeduscht... Nein, geht auch nicht. Toll. Und alles in einem unfreundlichen und voellig gleichgueltigen Ton. Wir sind nicht begeistert, aber das ist erst der Anfang. Wenigstens lassen sie uns den Koffer unterstellen.

Mathias zieht sich im Klo kurz um und besprueht sich mit Deo, und macht sich dann wohl oder uebel auf den Weg zur Konferenz. Und ich mache mich auf, DC zu erkunden. Da ich nicht ins Zimmer kann, bleibt mir ja nicht viel anderes uebrig. Zuerst hole ich mir aber einen Kaffee. Wahrscheinlich waren meine Sprachfaehigkeiten jedoch noch etwas begrenzt.

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In Washington treffe ich auf bekannte, verehrte Gesichter. Ich ziehe meinen Hut, Mahatma Gandhi.

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Ich bewundere dich, Albert Einstein.

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Stundenlang stapfe ich durch die Strassen, auf der Suche nach Sehenswuerdigkeiten und Geocaches. Ich finde einen tollen, riesigen Kreisel. Das Lustige daran: Rundherum hat es eine meeega lange Bankreihe! Nur unterbrochen an den paar Stellen, dort wo man die Strasse ueberqueren kann! Mega coole Idee. Und ein prima Platz, um Zmittag zu essen. Das ist uebrigens der einzige Abschnitt, auf welchem nicht zig Leute sitzen. Der Platz sieht leer aus, ist aber eigentlich ziemlich voll!

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Nun kommt der zweite Teil unseres Hotelproblems. Ich mache mich gegen vier Uhr nachmittags auf den langen Weg zurueck zum Hotel. Mathias hatte mir seine Kreditkarte gegeben, mit welcher er das Hotel gebucht hatte. Ich gehe also damit zur Lobby und will einchecken. Nope, geht nicht, weil ich nicht eine fremde Kreditkarte benutzen darf. Auch wenn ich einen Ausweis habe, dass ich den gleichen Nachnamen habe. Und ich einen Ausdruck der Zimmerreservation habe. Und sie eh schon die Berechtigung haben, den Betrag auf der Karte abzuziehen. Ich will nicht meine eigene Karte benutzen, da ich a) nicht weiss, ob Mathias das dann der Uni verrechnen kann, und b) weil ich den Hotelleuten nicht traue, nicht schlussendlich den Betrag auf beiden Karten abzuziehen!

Nun bin ich also muede, KO und frustriert. Und wieder ist der Hoteltyp absolut unfreundlich und fast schon absichtlich fies. Ich bin echt sauer, aber was soll ich machen... Gehe ich halt nochmal auf Tour!

Abends spaet, mit Mathias, klappt dann das Einchecken endlich. Aber Ueberraschung: Das Zimmer ist unglaublich heruntergekommen, und irgendwas macht dauernd Laerm. Wir stecken zunaechst den Kuehlschrank aus, aber das ist es nicht: Genau draussen vor unserem Fenster ist irgend eine Maschine! Eine Lueftung oder so. Na super.

Nach einer weiteren ziemlich schlaflosen Nacht beschliessen wir, das Hotel zu wechseln. Die Lobby-Leute sind wenig ueberrascht und fragen nicht einmal, warum wir vorzeitig auschecken. Und neben der Lobby haengt ein riesiges Plakat, auf welchem irgendwas mit "Die Zufriedenheit unserer Kunden ist unsere oberste Prioritaet" oder sowas steht. Ha ha.

Zum Glueck treffen wir es mit dem naechsten Hotel besser. Kaum kommen wir dort an - es ist immer noch morgens frueh vor neun! - duerfen wir einchecken, und wir koennen auch bereits ins Zimmer. Und da noch Fruehstueckszeit ist, duerfen wir sogar fruehstuecken! DAS nenne ich doch mal Kundenfreundlichkeit. Dass das Hotelzimmer auch noch viel schoener ist, ist natuerlich toll, waere aber nicht noetig gewesen. Ich will nur nicht verarscht und ausgelacht werden, wenn ich viel Geld fuer ein schaebiges Zimmer bezahle. Ich will keinen super Komfort. Ich will nur wie ein Mensch behandelt werden.

Mathias muss wieder an seine Konferenz, ich mache mich auf den Weg zur National Mall. Das ist nicht ein grosses Einkaufszentrum, sondern der riesige Platz im Zentrum DCs, auf welchem sich das Kapitol, das Lincoln Memorial, und verschiedene andere Memorials befinden. Zudem sind hier die ganzen Smithsonian-Museen. Man kann sich stunden-, ja tagelang hier vertun. Hier zum Beispiel ist das Washington Monument, fotografiert vom Lincoln Memorial her:

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Und das hier ist der gute Mister Linoln.

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Beim Kapitol gehe ich auch vorbei, aber das wird gerade umgebaut und ist daher kein eigenes Foto wert. Es ist auf dem Bild mit dem Washington Monument im Hintergrund zu sehen.

Da Amerika Amerika ist, gibt es hier auch zig War Memorials. Davon bin ich kein grosser Fan. Ich verstehe zwar, dass man den im Krieg Gefallenen gedenken will, aber die Amerikaner machen das meistens auf eine fuer mich ziemlich abstossende Art. Sie sind sich nie einer Mitschuld bewusst: Sie sind immer die Guten, die gegen die Boesen kaempfen. Kriege sind immer ein Muss, es ist nicht etwas was sie beschliessen, sondern was sie einfach tun mussten - um ihre Freiheit zu verteidigen, oder sowas. Sie sind immer die armen Braven, die einfach keine andere Wahl hatten, und schlussendlich sind sie natuerlich immer die Sieger. Pure Hirnwaesche, gepaart mit unglaublich viel Patriotismus. Keinen Funken Selbstkritik, keine Reflexion. Einfach nur Selbstbeweihraeucherung. Und alle Gefallenen sind selbstverstaendlich Helden. Absolut nicht mein Ding.

Eines der Memorials beeindruckt mich dann aber doch. Es ist das einzige das ich gesehen habe, das Krieg als etwas Unschoenes bezeichnet. Das wenigstens versucht, die Realitaet aufzuzeigen. Nicht einfach nur Helden, die sich fuer ihr supertolles Vaterland geopfert haben, sondern Menschen, die Angst haben, und denen nicht gefaellt, was sie gerade machen. Wenn das Memorial nur schon ein paar Menschen davon abhaelt, in den Krieg zu ziehen, ist das schon ein Anfang.

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Uebrigens, das Wetter in Washington ist strahlend schoen, das was da aussieht wie Nebel ist natuerlich nur das Gegenlicht der Sonne. Ich finde aber, dass es wie Nebel aussieht traegt zur Symbolhaftigkeit des Bildes bei. Die Szene muss ja etwas spooky sein damit einem auch wirklich das Blut in den Adern gefriert. Wer bei diesem Anblick keine Gaensehaut bekommt, dem kann ich auch nicht helfen. Das Memorial ist uebrigens eine Erinnerung an den Koreakrieg.

OK, nach dieser trueben Begegnung brauche ich nun wieder etwas Aufmunterung. Ich mache mich auf den Weg zum Weissen Haus, welches nicht weit von der National Mall entfernt ist. Hallo Herr Praesident!

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Er scheint leider gerade keine Zeit zu haben, um mit mir einen Kaffee trinken zu gehen.

Auf dem Rueckweg zum Hotel sehe ich noch eine Filiale unserer ehemaligen Bank. Habt ihr uns schon einmal fluchen hoeren, dass sie eine elende Goldgraeberbank sei? Nun, das ist nicht falsch. Wells Fargo ist tatsaechlich eine Goldgraeberbank.

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Am letzten Tag ohne Mathias radle ich noch ein bisschen in DC herum. Hier gibt es ganz viele Fahrraeder, die man praktischerweise an vielen Stationen einfach ausleihen und an einer beliebigen anderen Station wieder abgeben kann. Das macht das Geocachen etwas einfacher. Und Platz fuers Taeschle hats auch!

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Endlich ist Mathias' letzte Konferenz fuer eine Weile vorbei. Nun hat Mathias auch noch einen freien Tag in Washington DC vor sich! Zudem ist lustigerweise gerade auch Ben hier. Er wird uns spaeter in Lafayette besuchen kommen, aber er macht vorher einen Stop in DC, und lustigerweise sind wir gerade zur gleichen Zeit hier. Also entdecken wir die Stadt gemeinsam! Mathias moechte auch mit Obama auf ein Kaeffchen gehen, aber der scheint immer noch beschaeftigt zu sein...

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Einmal mehr strolchen wir durch die Mall und staunen, wie hoch das Washington Monument ist - diesmal aus etwas anderer Perspektive.

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Und zum Schluss gehen wir noch in das Smithsonian's National Air and Space Museum. Mathias und ich waren da schon mal, Mathias sogar schon oefter, aber das Museum ist so gut, dass man ruhig mehrfach hin kann. Und sogar ich finde es spannend, obwohl mir Flugzeuge ja nicht sonderlich viel sagen. Ich finde es hauptsaechlich aus historischer und technikgeschichtlicher Sicht spannend. Ben jedoch, der Flugzeuge liebt, ist begeistert und im siebten Himmel!

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Anschliessend machen Mathias und ich uns auf den Weg zurueck nach Indiana, wo wir darauf warten, dass Ben nach kommt.

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