Besucher in und um Lafayette

Nach diversen Reisen diesen Sommer sind wir nun endlich wieder in West Lafayette. Wir haben kurz Zeit, Liegengebliebenes aufzuarbeiten, und kurz darauf kommt auch schon Ben bei uns an. Zuerst einmal wird ein bisschen relaxt und mit den Handys gespielt.

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Dann gehts auf Erkundungstour!

Indianapolis und Chicago

Erst mal erkunden wir mit Ben die Lafayette / West Lafayette Gegend. Doch weil es hier nicht allzu viel zu sehen gibt, fahre ich mit ihm nach Indy. Mathias muss leider arbeiten. Ben und ich schauen uns Downtown Indianapolis an, was man jedoch in recht kurzer Zeit gesehen hat. Zum Glueck ist Ben unterdessen auch angefressener Geocacher, so dass wir uns mit Caches die Zeit vertreiben koennen.

Nachdem wir wirklich etwa alles auch nur annaehernd Sehenswerte angeschaut haben, fahren wir zum Indianapolis Motor Speedway raus. Indianapolis kennen ja viele Leute zumindest dem Namen nach wegen dem Indy 500, dem Autorennen. Das Areal ist riesig: Es hat Platz fuer etwa 300'000 Besucher, und damit ist der Motor Speedway das Sportgelaende mit der hoechsten Besucherkapazitaet der Welt!

Es gibt ein Museum, aber darauf verzichten wir, denn es sieht nicht sonderlich interessant aus. Was es aber auch gibt, ist eine Tour auf dem Speedway. Man kann mit einem Bus einmal um das ganze Oval herum fahren! Das lassen wir uns natuerlich nicht entgehen. Die ganze Strecke ist etwa 4km lang. Der Bus faehrt schoen gemuetlich, und der Fahrer erzaehlt waehrenddessen etwas ueber die Geschichte des Stadions. Nach ein paar Minuten sagt er: Ein Rennfahrer haette uns nun schon zehnmal ueberrundet..... Die fahren das ganze Oval in wenig mehr als einer Minute ab. Wow.

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Die Rennbahn wurde 1909 gebaut, damals noch mit Ziegelsteinen. Waehrend unserer Tour fragt der Fahrer, was wir denken, wo die Bricks heute sind. Ich sage noch lakonisch zu Ben, dass die sicher unter dem Asphalt sind. Und ja, natuerlich sind sie das! Und der Fahrer verkauft das auch noch als geniale Idee! Dieses Land ist einfach immer wieder zum Kopfschuetteln. Jedenfalls haben sie einen Meter noch mit den originalen Bricks gelassen, was den Start bzw. das Ziel markiert. Frueher hiess die Rennstrecke Brickyard, heute Yard of Bricks. Das Oval ist uebrigens fuer NASCAR Rennen. Im Inneren des Ovals gibt es auch noch eine kurvigere Formel 1 sowie eine Moto GP Rennstrecke. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Nachdem wir nun Indiana wirklich ausgiebig abgeklappert haben, machen wir uns fuer das Wochenende auf nach Chicago. Marcel war an einer Konferenz in California und kommt fuer das Wochenende auch noch fuer einen Zwischenstopp her, so dass wir die Gegend zu viert unsicher machen wollen. Da wir vor ihm ankommen, warten wir Billard spielend auf ihn.

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Danach gibts lecker Znacht: Typische Chicago Deep Dish Pizza. Hat mit Pizza nicht viel gemeinsam, sondern ist eher, was wir Waehe oder Quiche nennen wuerde. Aber was solls, Namen sind nicht wichtig, hauptsache das Essen ist lecker! Und das ist es wirklich. Mmmmmh.

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Falls ihr die Wand hinten etwas seltsam findet: In dem Restaurant darf man die Waende beschreiben. Auch wir verewigen uns.

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Wer es nicht gefunden hat: in dem weissen Herz ziemlich in der Mitte.

Da der Abend noch jung ist, beschliessen wir, eine Bar in einem Hochhaus zu besuchen. Die Aussicht dort ist fantastisch!

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Der dunkle Fleck links oben ist der Lake Michigan.

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Die Bar heisst "The Signature Lounge" und ist im 96. des Stock John Hancock Gebaeudes. Das Lustige an dieser Bar ist, dass sie einen Stock HOEHER ist als das Observation Deck. Und das Observation Deck kostet auch noch 20 Dollar Eintritt! Zugegeben, von der Aussichtsplattform hat man wahrscheinlich die etwas bessere Sicht, weil nicht ueberall Tische davor stehen. Aber hier kann man sich dafuer hinsetzen und gemuetlich verweilen, und dazu noch einen Cocktail (fuer etwa 16 Dollar...) schluerfen! Fuer uns ist die Wahl also einfach.

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Am naechsten Morgen machen wir uns auf grossen Chicago-Erkundungsgang. Mathias laesst es sich nicht nehmen, seine Herkunft als Alpenbewohner zu demonstrieren...

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Danach kommen wir zur Bean, dem wohl beruehmtesten oder zumindest beliebtesten Kunstwerk Chicagos. Die Bean (Bohne) heisst offiziell Cloud Gate, aber so nennt sie praktisch keiner. Beliebt ist sie, weil man damit lustige Fotos machen kann. Wegen der gebogenen, spiegelnden Oberflaeche ergeben sich lustige Verzerrungen.

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Zudem kann man unter der Bean durchlaufen. Das schwarze Ding in der Mitte des keinen Kreises ist Mathias, der gerade ein Foto nach oben macht. Links davon stehen Ben und ich.

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Marcel hat einen Reisefuehrer und uebernimmt das Kommando. Wir ziehen hinterher und suchen dabei gelegentlich einen Geocache. Gluecklicherweise sind Caches und Sehenswuerdigkeiten oft gemeinsam anzutreffen. Wie zum Beispiel hier beim Buckingham Fountain. Wer frueher die Sendung "Eine schrecklich nette Familie" schaute, kennt den Brunnen vielleicht aus dem Vorspann.

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Was soll das heissen, ihr seht vor lauter Selfie den Brunnen nicht? OK, hier ist er nochmal...

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Die Route 66 ging frueher von Chicago nach Santa Monica bei Los Angeles, darueber habe ich auch schon geschrieben. In Chicago gibt es nun ein Schild, wo die Route frueher angefangen hat. Ohne Marcels Fuehrung haetten wir es wohl glatt uebersehen...

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Allgemein schauen wir die Stadt so mit ganz anderen Augen an. Waehrend Mathias und ich gewoehnlich einfach durch die Strassen schlendern, bringt uns Marcel zielstrebig von Kunstwerk zu Kunstwerk. Daher sehen wir spannende Dinge, die wir sonst eventuell nicht gesehen haetten. So etwa diese riesige Erdkugel.

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Irgendwann haben wir dann aber genug von Kunstwerken, Sehenswuerdigkeiten, und vor allem vom Rumlaufen. Und weil es uns gestern so gut gefallen hat, beschliessen wir, gleich nochmal in die Signatur Lounge zu gehen! Da wir heute etwas frueher dran sind, schaffen wir es sogar, vor dem Sonnenuntergang dort zu sein.

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Da es noch hell ist, sieht man viel mehr.

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Das John Hancock Center ist uebrigens das viertgroesste Gebaeude in Chicago.

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Diesmal kriegen wir keinen Tisch am Fenster, aber das ist egal. Die Tische in der Mitte sind etwas erhoeht, so dass man ueber die anderen Leute hinweg sieht, und ausserdem kann man auch problemlos aufstehen und zu den Fenstern laufen, um rauszuschauen. Uns gefaellt es sehr, und wir werden sicher mit allen zukuenftigen Besuchern auch hier hin gehen!

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Ben hat seine gute Kamera dabei und schiesst geniale Fotos. Zwei hat er mir fuer diesen Blog zur Veroeffentlichung freigegeben:

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Schon faszinierend, oder!?

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Und dann nochmal ein schlechteres Handybild im Dunkeln. Ja, wir halten es lange aus hier oben!

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Am naechsten Tag gehen wir noch gemeinsam Kaefelen, bevor Mathias und ich wieder Richtung West Lafayette brausen. Ben und Marcel bleiben noch in Chicago, ihre Fluege gehen erst am Montag. So koennen sie noch ein paar andere Ecken von Chicago anschauen.

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Mathias und ich hingegen muessen uns auf die naechste Woche vorbereiten. Denn Montag ist ein grosser Tag fuer mich. Nein, nicht weil es mein Geburtstag ist. Sondern weil ich moeglicherweise wieder Studentin sein darf! Aber zuerst gibt es trotzdem Kuchen. Danke, Mathias!

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Das Loch in der Wand hinter mir bitte nicht beachten. Dazu komme ich spaeter irgendwann. Heute ist jedoch erst mal Kerzen ausblasen angesagt!

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Und dann gehts ab an die Uni. Ich besuche Vorlesungen, dabei weiss ich noch nicht sicher, ob ich studieren darf. Weil die Uni unsere Green Cards versemmelt hat und es laenger dauert als wir dachten, haben wir Purdue angefragt, ob ich stattdessen studieren darf. Heute beginnt das Semester, und noch ist unklar, was passieren wird.

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Spoiler: Es vergeht noch ein ganzes Semester, bis mein richtiger erster Schultag kommt. Aber ich kann dieses Semester Vorlesungen als Hoerer besuchen. Sprich, ich darf reinsitzen, aber keine Pruefungen schreiben. Mir wird also nichts anerkannt. Aber wenigstens habe ich etwas zu tun. Aber davon weiss ich noch nichts. Noch bin ich aufgeregt und lernbegierig. Der Schlag ins Gesicht kommt erst spaeter.

West Lafayette mit Conny

Selbstverstaendlich versuchen wir trotz meiner neuen Beschaeftigung und dem Dauerstreiten und den Diskussonen mit der Uni, das Leben zu geniessen. Immerhin haben wir jetzt einen tollen Rasen und eine super Feuerstelle! Am Wochenende gibts also oft Grillage mit Cuba Libre. Cheers!

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Und en Guete!

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Und dann ist es soweit, der naechste Gast kommt an! Wir begruessen Conny, der fuer ein Wochenende einen Zwischenstop in Indiana einlegt. Natuerlich sitzen wir auch mit ihm gemuetlich im Garten. Das Wetter ist herrlich, grillen ist gemuetlich und lecker, was will man mehr!

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Und natuerlich machen wir auch mit Conny Marshmallows ueber dem Feuer.

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Am Samstag haben wir volles Programm. Da Conny nur kurz hier ist, muessen wir so viel wie moeglich reinquetschen! Also schauen wir uns West Lafayette und die Uni an. Danach gehts zu einem Footballpiel. Mathias und ich haben hier auch noch keines gesehen! Das ist also die perfekte Gelegenheit.

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Wie immer ist bei einem Footballspiel der Sport nebensaechlich, wichtiger ist das ganze Theater rundherum. Und davon wird einiges geboten. Die Marching Band spielt auf und laeuft in saemtlichen Formationen hin und her. Dazu seht man links die "Purdue Big Bass Drum", die angeblich groesste Trommel der Welt. Wirklich gemessen und verglichen wurde das jedoch nie. Aber mit ihren etwa drei Metern Hoehe (inklusive Wagen...) ist sie schon nicht gerade klein. Und rechts hinten sieht man eine Lok, das Maskottchen der Boilermakers.

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Dann stellt sich die Band zu einem riesigen P auf. P steht natuerlich fuer Purdue. Rechts sieht man noch den riesigen Bildschirm, auf welchem die ganzen Wiederholungen und Grossaufnahmen gezeigt werden.

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Und dann rennen auch noch die Flaggentraeger vorbei. Ein gewaltiges Spektakel, wirklich!

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Und immer mehr Menschen stolzieren uebers Spielfeld. Verschiedene Schulbands der lokalen Schulen dudeln mit, Cheerleader tanzen herum, die Fahnentraeger schwingen ihre Fahnen... Nur die Footballspieler, die sind noch nicht da. Aber die kommen natuerlich schon noch zu ihrem grossen Auftritt. Und spielen nicht mal so schlecht! Heute ist das einzige mal diese Saison dass sie gewinnen. Genau dann wenn wir zuschauen. Prima!

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Das Spiel selbst ist durchaus sehenswert, und wir verstehen je laenger je besser, worum es eigentlich geht. Was uns trotzdem etwas befremdlich vorkommt, ist das ganze Patrioten-Armee-Brainwashing-Theater der Amerikaner. Mal wird ihre Landeshymne gespielt und alle Zuschauer stehen auf und halten ihre Hand aufs Herz (es ist ein nationales Spiel, da braucht es doch keine Hymne!?), dann wieder kommt Werbung fuer das Militaer. Und in fast jeder Spielpause werden die Zuschauer gefordert, irgendwelche Militaers zu wuerdigen - mal die Navy, mal die Airforce, und so weiter. Ehemalige Soldaten im Publikum duerfen dann jeweils aufstehen und werden beklatscht. Sehr seltsam. Und die neuen Rekruten duerfen irgendwann mal aufs Spielfeld und werden dort eingeschworen. Fuer uns als Auslaender und Pazifisten wirkt das ziemlich unheimlich. Aber da kann man halt nicht viel machen...

Als letzter Programmpunkt fuer heute steht das German Fest auf der Liste. Das German Fest ist ein alljaehrliches Fest, welches von einer Kirche organisiert wird, und unter dem Motto Deutschland steht. Wie passend, dass wir gerade heute einen deutschen Gast hier haben! Also stuerzen wir uns ins Getuemmel. Bitte beachtet, dass das Foto mit jedem Bier verschwommener und das Grinsen der Portraetierten mit jedem Bier breiter wird!

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Wieso genau wir es wichtig finden, gerade hier ein Foto zu schiessen, weiss ich nicht mehr. Aber was solls, prost!!

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Naturlich muessen wir auch das "typisch deutsche" Essen ausprobieren. Es sieht aus, als ob es dem Deutschen schmecken wuerde! Und dem Liechtensteiner offenbar auch...

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Und dann geht die Party erst richtig los. Die "Polka Boys" spielen auf, und das erste Lied was wir hoeren ist ausgerechnet die "Liechtensteiner Polka". Kann man sich hier anhoeren. Ich hatte das Lied vorher noch nie gehoert und bin voellig fasziniert. Und die Band ist ja amerikanisch, singt aber in erstaunlich gutem Deutsch. Da muss man einfach mittanzen. Ein paar Leute laufen in Lederhosen oder Dirndl rum (ausschliesslich Amerikaner natuerlich), und manche quatschen uns erfreut an, als sie hoeren, dass wir Deutsch reden, und erzaehlen, dass sie auch zu sieben Zweiundfuenfzigstel Deutsch seien und so weiter... Sprich, es ist wirklich eine Gaudi. Das Beste zum Schluss ist, als die Band den Ententanz spielt und wir mit ein paar Kollegen mittanzen. Das kann man wirklich nicht mehr toppen, daher ist es jetzt Zeit, nach Hause zu gehen. Besser werden die Fotos nicht mehr.

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Am naechsten Tag muessen wir den Conny leider bereits wieder zum Flughafen bringen. Indiana verabschiedet sich stilgemaess mit einem Pickup mit Konfoederiertenflaggen.

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Das ist einerseits aus aerodynamischer Sicht voellig deppert, aber auch sonst nicht ganz verstaendlich, da Indiana ja nicht zu den Suedstaaten gehoert hat. Aber ich habe laengst aufgehoert zu versuchen, Rednecks zu verstehen.

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