Xī'ān - 西安

Eben noch in California, befinden wir uns kurze Zeit spaeter in China. Einmal um die halbe Welt! Also gehen wir erst mal auskundschaften, wo wir hier gelandet sind!

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Wir schlendern durch das Stadtzentrum und schauen uns die Marktstaende an. Selbstverstaendlich probieren wir auch die eine oder andere lokale Koestlichkeit.

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Der nette junge Herr im Hintergrund guckt ziemlich suspekt, ich weiss jedoch nicht weswegen...

Glocken- und Trommelturm

Nachdem wir die Stimmung etwas auf uns haben wirken lassen, machen wir uns auf den Weg, ein paar Sehenswuerdigkeiten anzuschauen. Als erstes gehen wir zum Glockenturm. Dieser wurde 1384 waehrend der Ming Dynastie erbaut. Lange Zeit wurden die Glocken dazu genutzt, jeweils am Morgen anzukuenden, dass die Zugbruecken, die ueber Nacht hochgezogen waren, herunter gelassen werden.

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Heute ist der Glockenturm hauptsaechlich eine Touristenattraktion. Es finden taeglich mehrere Konzerte statt, und wir haben Glueck und kommen gerade rechtzeitig zu einer Vorfuehrung.

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Vom Glockenturm sieht man zum Trommelturm rueber. Der steht fuer nachher auf dem Programm!

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Ploetzlich werden wir auf Chinesisch angequatscht, und Mathias kriegt ein Kind in den Arm gedrueckt. Eine chinesische Familie hat wohl nach einem Grund gesucht, ein Foto von ihm zu schiessen...

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Xi'an ist noch nicht extrem globalisiert, und als Kaukasier fallen wir doch ziemlich auf. Und gerade Mathias mit seiner Groesse sticht extrem heraus. Dass er auch noch eine Sonnenbrille traegt, macht ihn endgueltig zum Star.

Auf dem Weg vom Glockenturm zum Trommelturm laufen wir durch das muslimische Viertel. Xi'an hat eine ziemlich grosse muslimische Community und mehrere Moscheen. Die groesste davon, die "Grosse Moschee", gibt es schon seit ueber 1200 Jahren. Sie ist sogar die groesste Moschee in China.

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Interessant ist, dass das Gebaeude in chinesischem Stil gebaut ist. Und die meisten der Muslime hier sind ja auch Chinesen.

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Das Schoenste an der Grossen Moschee finde ich aber den grossen Park, in welchem sie steht. So kriegen wir ein paar Minuten Ruhe, bevor wir uns wieder in das Getuemmel stuerzen!

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Denn das muslimische Viertel ist weniger wegen der Moschee bekannt, sondern hauptsaechlich fuer die kulinarische Vielfalt, die einem hier geboten wird. Xi'an war das Ende - oder der Anfang, je nach Sichtweise - der Seidenstrasse, und viele reisende Haendler liessen sich irgendwann hier nieder. Daher gibt es im muslimischen Viertel arabische, persische, und chinesische Koestlichkeiten zu probieren. Wir stuerzen uns in das Gewimmel und essen uns durch die Koestlichkeiten!

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Mir haben es gebrannte Nuesse und Mandeln, sowie jenste leckere Fruechte angetan, Mathias probiert sich durch verschiedene Spiesschen. Zudem gibt es gebratenen Tofu, Reiskuchen, fritierte Bananen, und so eine Art Joghurtdrink. Lecker!

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Nachdem wir noch kurz mit den Statuen posiert haben, kommen wir schliesslich beim Trommelturm an. Auch dieser wurde im 14. Jahrhundert erbaut, und im Gegensatz zum Glockenturm wurde er am Abend verwendet - die Trommeln zeigten an, dass die Ziehbruecken nun geschlossen werden.

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Ganz schoen gross, diese Dinger!

Auch hier haben wir wieder Glueck, und es faengt gerade ein Konzert an. Unterdessen vermuten wir ja, dass die alle halbe Stunde ein Konzert haben... Uns soll es recht sein!

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Vom Trommelturm sehen wir zurueck zum Glockenturm. Waere gar nicht so weit, wenn man den direkten Weg nehmen wuerde! Aber was einem dann alles entginge... Leider sieht man es auf dem Foto nicht so gut, aber die farbigen Streifen rund um den Turm, das sind alles Blumen!

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Wenn man direkt runter schaut sieht man den Eingang zum muslimischen Viertel. Hier ist das Gewusel noch halbwegs ueberschaubar, und trotzdem schon sehr repraesentativ. Viele Leute, ueberall Strassenhaendler, dazwischen Autos und Scooter...

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Spannend ist, dass viele der Besucher hier Chinesen sind. Sogar in unserem Hotel sind viele der Gaeste Chinesen. Xi'an ist nicht sooo das Touristenziel fuer westliche Besucher. Viele kennen es nur wegen der Terracotta Armee, und so sehen wir auch fast taeglich im Hotel eine Reisegruppe, die nur fuer eine Nacht hier ist und danach weiter zieht. Was ich recht schade finde, denn mir gefaellt Xi'an sehr gut!

Terracotta Armee

Als erstes steht nun die Terracotta Armee auf der Liste, denn die muss man ja wirklich fast gesehen haben, wenn man in Xi'an ist. Und das, obwohl sie eigentlich ganze 40 Kilometer von Xi'an entfernt ist. So machen wir uns also am Morgen frueh auf den Weg zum Busbahnhof, und versuchen, den richtigen Bus zu finden. Nun gibt es einen "richtigen" Bus und einen Touristenbus, und da wir genuegend Zeit haben, suchen wir den richtigen Bus. In den Beschreibungen hat das noch ganz einfach geklungen, "Ostseite vom Busbahnhof, Nummer soundso". Nur ist der Busbahnhof riiiesig, man sieht nicht genau wo die Ostseite beginnt, und die Nummern sind auch nicht immer eindeutig angeschrieben. Und dass wir die Schriftzeichen nicht verstehen, macht es auch nicht einfacher. Aber schlussendlich finden wir den richtigen Bus, und die Leute sind wie immer mega freundlich und alles funktioniert bestens. Ich mache mir einzig noch ein bisschen Sorgen, ob wir die richtige Haltestelle zum Aussteigen erwischen werden, aber die stellen sich ebenfalls als unbegruendet heraus, und so machen wir uns schliesslich daran, die Krieger zu erkunden.

Der Lonely Planet hat uns vorgeschlagen, das Feld von hinten aufzurollen. Also gehen wir zuerst zur Halle 3. Dort sehen wir ein paar ziemlich kopflose Kerle!

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Manche sind in nicht ganz so gutem Zustand. Es ist spannend zu sehen, wie muehsam es sein muss, all diese Teile auszugraben!

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Bekannt ist die Staette zwar als Terracotta Armee, aber eigentlich ist das Ganze ja ein Mausoleum. Erbauen lassen hat es der Kaiser Qín Shǐhuángdì, und man schaetzt, dass etwa 700'000(!!) Arbeiter beteiligt gewesen sein mussten. Da waren natuerlich viele Sklaven und Zwangsarbeiter darunter, und einige davon starben auch dabei. Dieser Bau war dem Kaiser so wichtig, dass es ihm egal war, dass die Landwirtschaft zwischenzeitlich stagnierte, weil er saemtliche Maenner fuer sich arbeiten liess.

Die Armee besteht nicht nur aus Kriegern, sondern auch aus Pferden. Und sie wurde in Schaechten erbaut, dass muss echt schauerlich gewesen sein, dort unten herum zu laufen. Zudem sind die Figuren ueberdurchschnittlich gross, etwa 1.85 bis 2 Meter.

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Grube 3 beinhaltet auch den militaerischen Fuehrungsstab. Hier gibt es Offiziere und Generaele.

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Wir verstehen, warum der Lonely Planet gesagt hat, man soll sich die Halle 1 zum Schluss aufsparen. Sie ist schon mit Abstand das Ueberwaeltigste am Ganzen!

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Das haut einen einfach weg, so riesig! So viele Krieger! Und zwischendurch ab und zu ein paar Pferde! Unvorstellbar, was sich dieser Kaiser damals wohl dabei gedacht hat. Extrem surreal!

Eigentlich darf man nicht zu den Kriegern hinunter, aber Mathias laesst sich von einfachen Regeln natuerlich nicht abhalten.

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Nein, natuerlich nicht. Aber witzig gemacht ist die Fotofassade schon.

Das Faszinierende an den Kriegern ist ja ihre Einzigartigkeit. Jeder ist anders. Andere Frisur, andere Kleider, andere Waffen, andere Haltung, andere Groesse... Alle sind unterschiedlich.

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Draussen hat es nochmal ein paar Nachmachungen, zu welchen man sich stellen kann. Das laesst sich Mathias natuerlich nicht zweimal sagen!

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Wir schauen uns auch noch den Grabhuegel an, aber das ist wirklich nur ein Huegel. Schlussendlich suchen und finden wir den Bus zurueck nach Xi'an. Ach ja, einen Cache gab es bei den Kriegern natuerlich auch noch. Das nenne ich einen erfolgreichen Ausflug!

Stadtmauer von Xi'an

Was man in Xi'an auch noch machen soll, wenn man genug Zeit hat, ist, auf der Stadtmauer zu radeln. Machen wir natuerlich! Also machen wir uns auf den Weg zur Stadtmauer. Dort gibt es lustige dekorative Lampen, die wie Pergamentrollen aussehen.

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Einmal mehr sind wir genau zur rechten Zeit gekommen: Eine Horde Krieger kommt anmarschiert, um die Stadtmauer zu bewachen!

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Hier kommt nicht jeder rein!

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Aber die Krieger sind recht freundlich und lassen sich gerne fotografisch ablichten.

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Von der Stadtmauer hat man eine tolle Aussicht ueber den Wassergraben. Hier ist es sogar relativ gruen! Im Hintergrund sieht man dafuer zig Hochhaeuser... Xi'an ist zwar nur die neuntgroesste Stadt in China, hat aber dennoch ueber acht Millionen Einwohner. Ja, eine ganze Schweiz wohnt in dieser Stadt. Und fuer all diese Menschen muss es ja auch Wohnungen geben.

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Die Stadtmauer selber ist sehr schoen anzusehen. Angenehm ist auch, dass es nur Fussgaenger und Velos gibt, so dass man fuer einmal nicht aufpassen muss, um nicht ueberfahren zu werden. Die schoene Kulisse wird auch von den Chinesen selber gerne genutzt, zum Beispiel fuer Hochzeitsfotos. Hier werden Hochzeitsfotos vor der Hochzeit gemacht, damit man waehrend der Hochzeit schoene Bilder vom Brautpaar zeigen kann. Rot ist DIE Gluecksfarbe in China, daher sind viele Hochzeitskleider rot, auch wenn heute oft auch weisse getragen werden, leider natuerlich wegen dem westlichen Einfluss.

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Fuer wenig Geld (und ein kleines Depot) kann man sich fuer zwei Stunden ein Fahrrad mieten. Die Stadtmauer ist 14 Kilometer lang, also kann man in zwei Stunden sehr gemuetlich einmal rundherum fahren.

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Machen wir natuerlich! Das Wetter ist herrlich, und so ein Radausflug ist super!

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Zwischendurch muss natuerlich auch mal ein Paeuschen sein. Man beachte wieder die Hochhaeuser im Hintergrund...

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Der Unterschied zwischen der Altstadt im Inneren der Mauer und den riesigen Bloecken ausserhalb ist immer wieder frappierend. Das Gebaeude mit dem goldenen Dach ist uebrigens ein buddhistischer Tempel, daher auch die Gebetsfahnen davor. Obwohl man China nicht unbedingt mit Religion assoziiert, gibt es doch viele Gotteshaeuser jenster Geschmacksrichtungen hier.

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Nachdem wir unsere Radtour abgeschlossen haben, schlendern wir noch durch den Daming Palace National Heritage Park, da dort einer der zwei einzigen Geocaches (!!) in Xi'an ist. Neben dem Cache finden wir aber auch andere lustige Begebenheiten. Zum Beispiel sitzen wir harmlos auf einer Bank, als eine kleine Chinesin auf uns zu laeuft. In der Naehe ist sonst niemand. Aber sie ignoriert uns, und laeuft einen halben Meter neben uns ins Gebuesch. Wir schauen uns etwas verdutzt an, aber: Sie zieht einen Besen und eine Schaufel aus dem Busch und beginnt, die Strasse rundherum zu fegen. Sachen gibts.

Unter anderem finden wir auch noch diesen freundlichen Herrn:

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Mathias freundet sich hingegen lieber mit Kamelen an. Oder vielleicht verhandelt er auch, fuer wie viele davon er mich eintauschen kann? Diese Statue symbolisiert die Seidenstrasse.

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Interessant finde ich die Gruppe aelterer Herren, die einfach zwischen den Statuen sitzt, sich von nichts ablenken laesst, und Mahjong spielt - das ist hier sowieso der absolute Volkssport. Am lustigsten ist der Gehstock, der direkt neben dem Kamel auf welchem Mathias sitzt parkiert wurde. Statue? Welche Statue? Das ist unser Spielplatz, besten Dank!

Ab dem naechsten Tag muss Mathias nun an seine Konferenz, und ich versuche unterdessen, unsere Weiterreise zu planen. Dazu gehoert hauptsaechlich, Zugtickets zu kaufen. Das ist gar nicht so einfach in einem Land in welchem man die Sprache nicht spricht, und in welchem Mobilitaet ziemlich eingeschraenkt ist. Chinesen duerfen ja nicht einfach rumreisen, dafuer braucht es immer einen Ausweis. Als Tourist ist das zwar nicht so dramatisch, aber man kann nicht einfach Billete online kaufen. Natuerlich koennte man alles ueber eine Agentur oder ein Reisebuero buchen, aber erstens sind wir ja nun doch schon ein bisschen reisegewandt, zweitens ist es ein spannendes Abenteuer, und drittens muss ich mich ja irgendwie beschaeftigen, waehrend Mathias konferenzt. Schlussendlich klappt alles irgendwie, inklusive Metro-Fahrt zum Bahnhof, Fahrt zurueck ins Zentrum da es am Bahnhof keinen Geldautomaten gibt, Fahrt zurueck zum Bahnhof, mit den Schalterdamen kommunizieren... Ich habe Tickets, und wir sind auch halbwegs sicher, dass es die richtigen sind!

Morgens essen wir jeweils gemeinsam Fruehstueck. Das Buffet im Hotel ist koestlich, mir haben es vor allem die Custard Buns angetan, das sind suesse Broetchen mit einer Art Ei-Fuellung. Sooo lecker! Mathias isst sich durchs komplette Buffet und probiert alles.

Nachdem ich meine Tickets besorgt habe (was problemlos zwei Tage dauert), versuche ich noch, den letzten Geocache in Xi'an zu finden. Dieser ist nicht gerade um die Ecke, so geht schon locker wieder ein Tag drauf, aber irgendwie muss ich mich ja beschaeftigen, bis Mathias wieder Zeit hat. Das Bussystem hier ist nicht wirklich einfach, wenn man die Sprache nicht spricht. Zum Glueck habe ich ein Handy mit GPS!

Dann, endlich, ist die Konferenz fertig, und wir koennen uns wieder gemeinsam auf die Socken machen. So macht es halt doch mehr Spass.

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