Shanghai - 上海市

Unser naechster Stop ist nun also in Shanghai. Es ist unglaublich, wie schnell und sauber und puenktlich die Zuege hier sind. Sie sind aber zugegebenermassen fuer die Lokalbevoelkerung auch nicht ganz billig. Wir nehmen wie gewohnt die Metro, das klappt ausgezeichnet, und danach muessen wir noch eine gute Weile mit unseren Rucksaecken durch eine Wohngegend zu unserem Hotel laufen. Das ist bereits ein erstes Sightseeing, aber diese konkrete Strecke werden wir noch mehrere Male laufen...

Altes und neues Shanghai

Zum Glueck koennen wir im Hotel bereits einchecken und duschen. So koennen wir den weiteren Nachmittag ohne Gepaeck geniessen und bereits einen ersten Erkundungsgang machen. Mit der Metro fahren wir zurueck ins Zentrum. Uns wurde gesagt, dass Shanghai von den chinesischen Staedten die wir besuchen am westlichsten aussehe. Das koennen wir nun bestaetigen. Grund dafuer ist der sogenannte Bund, auf chinesisch Wàitān. Das ist eine lange Uferpromenade am Huangpu-Fluss. Dort war frueher eine britische Niederlassung, weswegen viele der Gebaeude im Kolonialstil gebaut sind. Das ist recht eindruecklich anzusehen.

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Noch eindruecklicher ist jedoch die Skyline von Pudong, einem modernen Stadtviertel auf der anderen Seite des Flusses. Pudong ist extrem neu, und relativ dicht besiedelt - 5 Millionen der total etwa 24 Millionen Einwohner von Shanghai leben hier. Die Gebaeude sind alle sehr speziell und versuchen sich gegenseitig die Show zu stehlen!

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Wir bleiben erst mal auf dieser Seite des Flusses und sehen uns den Yuyuan Garden ("Garden of Happiness") an. Unglaublich, wie viele Leute es hier hat!

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Irgendwo sehen wir eine lange Schlange mit Leuten. Wir reihen uns ein. Was gibt es hier wohl zu sehen?

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Das Huxinting Teehaus! Die Bruecke, die ueber den Teich fuehrt, ist so zickzackig gebaut, damit die boesen Geister nicht hin kommen koennen. Die lassen sich offenbar von neun Ecken aufhalten.

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Ist euch uebrigens aufgefallen, dass die meisten Touristen asiatisch aussehen? Noch immer stechen wir heraus, vor allem auch durch Mathias' Groesse. Auch ich bin groesser als viele andere, auch Maenner. Das ist schon ein interessantes Gefuehl. Aber im Gegensatz zu Xi'an und Beijing werden wir hier nicht mehr komisch angeschaut oder um Fotos gebeten. Mir ist das ganz recht, so im Mittelpunkt zu stehen und beobachtet zu werden ist ja nicht wirklich mein Ding...

Nach dem alten Shanghai wollen wir uns nun noch das neue Shanghai anschauen. Es gibt verschiedene Moeglichkeiten, nach Pudong zu gelangen. Wir waehlen die wahrscheinlich duemmste davon. Es gibt diverse Bruecken, U-Bahnlinien und Faehren, und dann gibt es einen Tunnel, der als "Bund Sightseeing Tunnel" angepriesen wird. Natuerlich waehlen wir den Letzteren. Der Preis ist relativ saftig, 8 Dollar pro Ticket - ihr erinnert euch, hier muss man alles etwa um eine Groessenordnung erhoehen damit man es mit unseren Preisen vergleichen kann. Also quasi ein 80 Franken Ticket. Dann muss es ja auch wirklich toll sein, nicht!? Die Waegelchen sehen jedenfalls witzig aus. Sehr futuristisch und chic gebaut.

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Wir stehen eine Weile in der Schlange, und dann geht es los. Wir zwaengen uns mit zig anderen Touris in ein Waegelchen, und dann beginnt die wilde Fahrt. Doch statt irgend einem Aquarium oder sonst etwas interessantem fahren wir durch eine billige Lasershow. Gluecklicherweise haben wir keinen Epileptiker dabei, das Geflacker wuerde sicher glatt eine Episode ausloesen. Ich fuehle mich jedenfalls als ob ich gerade eine Migraene haette. Die ultimative Touristenfalle - und wir sind voll reingetappt. Naja, kann passieren. Und schliesslich sind wir ja Touristen, also duerfen wir auch Touristenzeugs mitmachen. Irgendwo habe ich gelesen, dass man es als "only in China" Erfahrung abbuchen soll. Machen wir glatt.

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Auf der anderen Seite erwartet uns der People's Park (Rénmín Gōngyuán) inmitten der riesigen Hochhaeuser. Wir schlendern durch den Finanzdistrikt und sammeln ein paar Geocaches ein.

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Anschliessend fahren wir mit der U-Bahn wieder zurueck zu der unterdessen dunklen Altstadt.

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Wir suchen uns etwas zu Essen und machen uns anschliessen auf den Weg zurueck zum Hotel.

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Fuer den ersten Tag haben wir nun doch schon einiges gesehen!

Shanghai bei Nacht und Regen

Shanghai hat zwei recht gute Unis, die wir uns heute anschauen gehen. An einer davon hat unsere Freundin Ting studiert. Die Campi sind zwar interessant anzuschauen, aber es ist nicht allzu viel los und wir sehen hauptsaechlich Gebaeude und Mao Statuen. Wenigstens hat es noch ein paar Caches.

Gegen Abend kommen wir wieder zum Bund, und Mathias laedt mich auf eine Schiffsfahrt ein. Die ist ganz toll!

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Auf der einen Seite sieht man schoen beleuchtet die ganzen alten Bund Haeuser. Die waren von Nahem ja schon relativ gross und eindruecklich.

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Aber die Pudong Neubauten auf der anderen Seite sind noch viiiel groesser!

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Und Pudong ist auch viel bunter. Alt versus neu, auf zwei Seiten des Flusses. Waehrend wir auf einem Schiff rumtuckern und uns die warme Sommerluft um die Ohren ziehen lassen. So muss Urlaub sein!

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Am naechsten Morgen regnet es. Wir gehen den Tag fuer einmal gemuetlich an und fahren mit der U-Bahn zum Shanghai Museum. Wir sehen ganz viele Jade-Sachen, alte Moebel, Geldmuenzen und vieles mehr. Am besten gefallen mir die verschiedenen Kleider.

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Mathias stellt sich fuer einen Groessenvergleich daneben. Ihm gefaellt der Hut mit Antenne am besten.

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Die tibetischen Masken sind auch eindruecklich.

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In einer kurzen Regenpause schauen wir uns anschliessend noch das Xin Tian Di Quartier an. Das ist ein Viertel mit alten Haeusern, in welche moderne Laeden hineingebaut wurden. Das sieht einerseits sehr surreal aus, ein bisschen wie Vegas, irgendwie fake. Andererseits erinnert es uns aber auch an europaeische Altstaedte - das Niederdorf besteht ja zum Beispiel auch aus vielen modernen Laeden in alten Gebaeuden. Kaufen wollen wir aber natuerlich nichts, wir haben ja noch einen weiteren Stop vor uns und reisen mit Rucksack, da koennen wir nicht allzu viel Gepaeck brauchen. Also fahren wir wieder zum Hotel zurueck suchen uns unterwegs noch einen Ort zum Znacht essen.

Wir finden so eine Art halb-Buffet: Es stehen verschiedene Teller mit Gemuese oder Fleisch oder Suppe da, und man kann sich mehrere Teller aussuchen. Sowas ist fuer uns natuerlich immer praktisch, weil man da sieht was man kauft. Und Reis gibt es sowieso immer dazu. Waehrend wir am essen sind, beobachten wir immer die Leute um uns herum. Das ist furchtbar spannend. Wer isst mit wem, wie essen sie, und was? Heute faellt uns zum Beispiel auf, dass viele Leute so eine Art Wein oder Schnaps trinken. Offenbar ist es Pflaumenwein. Auf dem Heimweg kommen wir an einem Laden vorbei und holen uns ein paar lokale Snacks, und aus einer Laune heraus kaufen wir uns einen eben solchen Pflaumenwein, um ihn im geschuetzten Rahmen unseres Hotelzimmers zu degustieren. Das stellt sich als eine gute Idee heraus, denn das Zeugs ist absolut ungeniessbar fuer unsere Geschmacksnerven. Chinesen haben offenbar einen anderen Geschmack in Sachen Getraenke...

Hangzhou - 錢塘 und Suzhou - 蘇州

Am naechsten Tag machen wir einen Ausflug in die "kleine" Stadt Hangzhou, mit dem Zug etwa eine Stunde im Suedwesten von Shanghai. Nur etwa neun Millionen Menschen wohnen hier. Wir mieten Fahrraeder und fahren gemuetlich um den West Lake herum. Das Foto ist von einer Art Bruecke oder Landzunge: Man sieht es nicht so gut, aber rechts und links vom Rasen ist bereits Wasser.

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Obwohl es viele Baenkchen hat, muessen wir eine Weile suchen, bis wir ein freies entdecken. Es sind extrem viele Leute unterwegs hier! Dafuer gibt es auch einiges anzuschauen. Die Aussicht ist herrlich!

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Nach der Rundfahrt belohnen wir uns mit einer Glace mit Aussicht, bevor es zurueck nach Shanghai geht.

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Ein anderer Ausflug bringt uns am naechsten Tag in das etwas groessere Suzhou, etwa eine halbe Stunde im Westen von Shanghai. Suzhou hat etwa elf Millionen Einwohner. Die Groessenverhaeltnisse sind schon ziemlich ueberwaeltigend!

Mathias posiert schon mal auf einer Bruecke.

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Suzhou gefaellt mir sehr gut, da es so schoen gruen ist. Obwohl man im Hintergrund auch die vielen Hochhaeuser sieht. Aber der Altstadtkern mit dem Wassergraben ist wie aus dem Bilderbuch. Und das sogar obwohl heute regnerisches Nieselwetter ist.

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So schoen gruen!

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Suzhou ist sehr bekannt fuer seine Gaerten. Wir schauen uns den Humble Administrator's Garden (Zhuōzhèng Yuán) an, das ist einer der beruehmtesten dieser Gaerten und ist unter anderem UNESCO-Weltkulturerbe.

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Der Garten ist wirklich sehr schoen gestaltet: Ueberall stehen lauschige Haeuschen und Pavillons, und die Wege sind verwinkelt und laden zum spazieren ein.

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Dazwischen gibt es Baechchen, die friedlich vor sich hin plaetschern... Extrem gemuetlich!

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Zum Abschluss darf ich auch noch auf einer (allerdings etwas kleineren) Bruecke posieren.

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Danach geht es wieder mit dem Zug zurueck nach Shanghai. Wir sind wirklich begeistert von dem Zugsystem hier!

Shanghai von oben

Zu guter Letzt wollen wir uns noch die Aussicht ueber Shanghai von oben anschauen. In Pudong gibt es mehrere Rooftop Bars. Wir suchen uns eine aus und versuchen den Eingang zu finden. Das stellt sich als erstaunlich schwierig heraus, man muss zuerst in ein Hotel, dann dort mit dem Lift zur Lobby, und dann von dort mit einem anderen Lift zur Bar, und nichts ist angeschrieben. Wir sind nicht sicher, ob diese Strategie funktioniert, denn wir sind fast die einzigen Gaeste dort oben. Dabei ist die Aussicht wirklich fantastisch!

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Gut, die Preise sind zugegebenermassen ziemlich teuer, ein Drink kostet etwa 20 Dollar. Wenn man das wieder eine Groessenordnung hochrechnet, ist das ein ziemlich saftiger Preis fuer nicht mal speziell gute Drinks.

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Aber die Aussicht ist so gut, so dass wir uns gleich zwei Drinks genehmigen. Seht ihr die kleinen beleuchteten Haeuschen am anderen Ufer? Das sind die alten Kolonialgebaeude. So klein sehen die im Vergleich zu den neuen Bauten aus.

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Und weils so schoen ist gleich nochmal.

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Langsam neigt sich unsere Zeit in Shanghai dem Ende zu. Waehrend wir noch ein paar letzte Caches einsammeln, kommen wir an diesem lustigen Plakat fuer Deutschunterricht vorbei. Ich frage mich, wie es zu der Woertersammlung auf der Wandtafel gekommen ist...

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Allgemein stehen Chinesen ja auf unsere Schriftzeichen, vor allem Englisch ist voll in. Das ist lustig, weil bei uns ja ihre Schriftzeichen voll in sind. Der Unterschied ist, hier sind einige Dinge tatsaechlich in Englisch angeschrieben, in der U-Bahn zum Beispiel. Das ist recht nett, denn muessen taeten sie ja nicht. Fuer uns ist es sehr hilfreich. Und es ist wirklich fuer westliche Touristen gedacht, denn viele Chinesen koennen unsere Schriftzeichen gar nicht lesen. Das merkt man meistens dann, wenn man dem Taxifahrer einen Ausdruck der Hotelreservation mit der Adresse in die Hand drueckt, und der schaut einen nur gross an. Viele Hotels haben daher so Visitenkarten mit ihrer Adresse in Englisch und Chinesisch, die man mitnehmen und dann dem Taxifahrer in die Hand druecken kann.

Aber zurueck zum Thema, Chinesen finden Englisch cool, viele verstehen es aber kaum bis gar nicht. Das fuehrt dann zu lustigen Uebersetzungen. Ein paar habe ich mal gesammelt. In der U-Bahn hat es zum Beispiel Verbotsschilder, dass man keinen Muell auf den Boden werfen soll. Die englische Uebersetzung dazu ist "Prohibit throw benches". Den Preis fuer die haerzigste Uebersetzung kriegt ein Rasen-nicht-betreten-Schild, auf welchem steht "Tiny grass is smiling to you and asking you to make the round of your road". Sehr beliebt sind T-Shirts mit englischen Sujets. "Bring back sense common", "No black street standaro" (sic), "I can do all things. Sky fucker", und "Fucking in earth 10 years and forever" sind ein paar tolle Beispiele. Den Vogel abgeschossen hat ein Rucksack mit dem Aufdruck "Pervert". Ich frage mich dann jeweils, woher die Hersteller diese Ausdruecke haben...

Ein anderes lustiges Erlebnis ist ein Friseurbesuch. Mathias koennte mal wieder einen Haarschnitt vertragen. Und bei seiner Frisur kann man ja nun wirklich nicht viel falsch machen. Oder? Wir suchen uns einen Laden aus und fragen nach dem Preis. Mathias setzt sich hin, und der Friseur beginnt seine Haare zu kaemmen und ein bisschen mit der Schere zu schnippseln. Sieht soweit nicht schlecht aus. Dann holt er den elektrischen Rasierer, und beginnt mehr wegzuschneiden. Und noch ein bisschen mehr. Und noch mehr. Und noch ein bisschen von unten weg, und dann hat es oben wieder zu viel...... Nun ja. Schlussendlich ist nicht mehr viel Frisur vorhanden. Zum Glueck waechst das ja schnell nach... Aber naechstes Mal schneide ich seine Haare wieder selber!

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Waehrend Mathias mit der Maglev, der Magnetschwebebahn die ueber 400km/h schafft, faehrt, verbringe ich ein bisschen Zeit in einem Park in der Naehe des Hotels. Es ist ein normaler Tag mitten in der Woche, am spaeteren Vormittag. Was erwarte ich im Park? Ein paar Jogger, ein paar Muetter mit Kinderwagen? Das waere so das was ich in den USA wohl antreffen wuerde. Nicht so in China. Der Park ist gerammelt voll mit Menschen, und alle gehen irgendwelchen Aktivitaeten nach. Es gibt gefuehrte Aktivitaeten und Einzeltaeter. Damit man sich das halbwegs vorstellen kann, habe ich mal eine (unvollstaendige!) Liste zusammen getragen:

  • Tai chi Gruppe
  • Paartanz Gruppe
  • Jogging
  • Federball
  • Mahjong
  • Faechertanz Gruppe
  • Schwerttanz Paar
  • Viele haben Musik: Die gefuehrten Klassen haben alle einen Player dabei, aber auch viele einzelne Leute haben einen + Radio oder Player und hoeren irgendwas ohne Kopfhoerer. Es ist ein Riesenlaerm.
  • Einer singt laut mit
  • Viele laufen einfach, manche schwingen ihre Arme kraeftig um sich
  • Einer stretcht seinen Fuss
  • Es hat viele Gaertner mit blauen Overalls und Strohhueten
  • Manche malen Zeichen mit Wasser und Riesenpinsel (fast wie Besen)
  • Manche laufen rueckwaerts
  • Ein paar machen live Musik mit einer Art Gitarre und einer Floete
  • Einer macht Liegestuetzen an einem grossen Stein
  • Einer steht lange auf einem Bein
  • Dann laeuft wieder ein Klatscher vorbei
  • Einer massiert seinen Ruecken gegen einen Baum

Es ist laut und voll, und jeder geht irgend einer Aktivitaet nach, nur ich sitze auf einer Bank und beobachte das Gewimmel. Unglaublich faszinierend. Doch nach ein paar Stunden muss ich aufbrechen. Es ist Zeit, China zu verlassen und Hong Kong zu erkunden!

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Ich bin ein begeisterter Fan der (Nacht-)Zuege in China. Schon das Anstehen ist ein Erlebnis fuer sich: Weil der Zug nach Hong Kong, also ins Ausland, geht, ist es fast eine volksfestartige Stimmung beim Peron. Die Leute haben sich mit Nahrung eingedeckt und essen hier und teilen, jemand verteilt Wuerste, jemand schluerft Ramen... Alle sind ganz aufgeregt und schwatzen und plaudern und rufen. Dann duerfen wir in den Zug, und die Leute gehen sich gegenseitig in ihren Abteils besuchen. Wie in einem Klassenlager, nur dass die Leute statt alle 14 eher so zwischen 0 und 80 sind. Man fuehlt sich ein bisschen wie im falschen Film, alleine unter Asiaten, ohne ein Wort zu verstehen... Schon ein sehr spezielles Erlebnis.

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Gegen Abend wird es ruhiger, die Leute haben sich in ihre eigenen Abteile verzogen und zum Schlafen bereit gemacht. Gemuetlich ruckelt der Zug richtig Sueden, vorbei an Landschaften und Staedten, bis wir am naechsten Morgen nach Hong Kong kommen.

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