In Indiana und um Indiana herum

Nach so viel Zeit im Ausland verbringen wir nun wieder ein paar Tage zuhause. Oder zumindest in Indiana. Oder zumindest in den USA. Oder... Aber eines nach dem anderen. Zuerst feiern wir naemlich mal den 1. August, und zwar mit einem Sommerfondue.

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Und dann machen wir einen kurzen Abstecher nach Texas. Aber nur ganz kurz. Ehrlich.

Austin, TX

Fuer einmal reisen wir nicht mit dem Flieger, sondern nehmen den Zug! Mit dem Amtrak sind wir hier naemlich noch nie gefahren, wollten es aber schon immer einmal ausprobieren. Und nun hat sich eine gute Gelegenheit ergeben. Also los! Die Fahrt von Chicago nach Austin dauert etwa 28 Stunden, man faehrt also eine Nacht ueber. Wir goennen uns daher den etwas luxurioeseren Schlafwagen, da bekommen wir ein kleines Privatabteil fuer uns zwei, welches sich ueber Nacht in zwei Betten verwandeln laesst. Tagsueber kann man dort bequem sitzen, lesen, und gemuetlich die Landschaft anschauen.

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Wenn man das Schlafabteil nimmt statt dem normalen Liegewagen, ist dafuer jede Mahlzeit waehrend der Fahrt im Speisewagen inbegriffen. Also watscheln wir alle paar Stunden zum Speisewagen fuer das naechste Essen. Und das Essen ist sogar ganz brauchbar. Auf dem Weg zurueck zu unserem Abteil machen wir manchmal im Panoramawagen halt, dort sind die Sitze etwas bequemer und es hat Tischchen, auf welchen man mit den Laptops gut arbeiten kann. Alles in allem also unkompliziertes, gemuetliches Reisen, aber allzu oft werden wir das wohl doch nicht mehr machen, denn der Preis ist relativ hoch, und 28 Stunden Fahrzeit sind verglichen mit einem Dreistundenflug halt doch ziemlich viel. Vor allem, wenn Mathias nur fuer zwei oder drei Tage an eine Konferenz muss.

Austin zeigt sich von seiner besten Seite. Man merkt nicht gross, dass man in Texas ist: Dank dem Colorado River ist es schoen gruen, und nicht sandig ausgetrocknet wie ich es mir vorgestellt haette. Heiss ist es aber schon!

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Eine der Hauptattraktionen von Austin sind die Fledermaeuse. Ueber eine Million Fledermaeuse wohnen unter der South Congress Bruecke, und in der Abenddaemmerung machen sie sich auf Nahrungssuche. Und zwar nicht alle gleichzeitig, aber alle nacheinander. Ueber mehrere Minuten hinweig kommt also ein kontinuierlicher Strom von Fledermaeusen unter der Bruecke hervor! Ein unglaubliches Naturspektakel. Wie man auf dem Foto sieht, werden auch extra Bootstouren angeboten, und viele Leute im Kayak fahren extra hin. Was man hingegen nicht sieht sind die hunderte Leute auf der Bruecke und im Park neben der Bruecke. Aber die Fledermaeuse sind definitiv in der Mehrheit!

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Unser Kollege Marcel geht an die gleiche Konferenz wie Mathias, deshalb treffen wir ihn gelegentlich in der Stadt. Zum Beispiel in der Jackalope Bar. Eine Jackalope ist ein Fabeltier, das aussieht wie ein Hase mit einem Geweih. Und natuerlich gibt es in dieser Bar eine Jackalope Statue... Marcel hat es sich nicht nehmen lassen, darauf zu reiten. Ich begnuege mich mit streicheln!

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Mit Marcel gehe ich auf Stadtbesichtigung. Ganz oben auf der Liste ist das Texas State Capitol.

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Auch ein Dinosaurierskelett, ein paar Fossilien, Brunnen und Statuen schauen wir uns an, danach gehen wir ins Spassviertel shoppen. Marcel hat sich bestens informiert und fuehrt mich in die lustigsten Laeden. Am besten gefaellt mir ein Laden namens "Uncommon Objects". Das ist so ein Ramschladen, in dem man ALLES was drin steht kaufen kann. Zum Beispiel gibt es ein Kistchen voller verschiedener Muenzen. Man kann die Muenzen kaufen, aber auch das Kistchen. Und der Tisch, auf welchem das Kistchen steht. Alles. Es gibt alte Keksdosen, Instrumente, Spiele, Taschen, ausgestopfte Tiere, verschiedenstes Geschirr und Toepfereien, Schmuck, Knoepfe, alte Bilder, Poster, Fotos... Einen kleinen Einblick gibt es auf ihrer Website, sehr zu empfehlen.

Nach der Konferenz fliegen wir wieder zurueck nach Chicago, das geht schneller... Und bald schon kommen uns Alex und Julia besuchen. Juhu! Wir bekommen nicht so oft Besuch in West Lafayette, daher freut uns das immer ganz besonders.

Alex und Julia

Alex und Julia residieren zur Zeit in Qu├ębec. Jetzt wollen sie sich ansehen kommen, ob die ganzen Klischees ueber Amerika wirklich stimmen. Da gibt es natuerlich keinen besseren Ort als den Midwesten. Willkommen in Indiana! Lafayette begruesst unsere Gaeste mit einem Pizza-Wettessen. Das erste Klischee ist also bereits bestaetigt. An diesem Event ist jedoch ein Stueck Strasse abgesperrt, und man darf dort Alkohol konsumieren - in der Oeffentlichkeit! Das zweite Klischee hat sich also (noch) nicht bestaetigt. Selbstverstaendlich will Mathias seinen Lieblingsort in Lafayette zeigen: die Arcade Halle.

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Am Sonntag schauen wir uns Indianapolis an. Dort ist wie immer nicht allzu viel los, daher fahren wir anschliessend an die Indiana State Fair. Das ist so etwas wie eine Gewerbeausstellung, aber hauptsaechlich fuer Bauern. Hoosiers eben. Wir dachten, es koennte eine lustige Erfahrung werden, und es haut uns tatsaechlich absolut um. Kaum kommen wir an, faengt es naemlich mit einer Holzfaeller-Kettensaegen-Werbeshow an. Genial. Die Jungs saegen um die Wette, klettern in wenigen Sekunden den Pfahl hinten im Bild hoch, und balancieren auf drehenden Baumstaemmen im Wasser. Wir sind ueberwaeltigt.

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Selbstverstaendlich faellt einer der beiden zum Amusement der Zuschauer ins Becken. Aber selbstverstaendlich sind die so gut, dass es Absicht ist. Wir sind hell begeistert. Das Beste an dem ganzen Spektakel sind ja die Zuschauer. Waehrend wir das als Aussenstehende betrachten, gehen die meisten anderen voll ab. Waehrend fuer uns alles ironisch scheint, nehmen es die anderen Besucher sehr ernst. Wir fuehlen uns wie im falschen Film.

Nach der Vorfuehrung geht es genau so genial weiter. Und zwar laufen wir aus Versehen in eine Kutschenwettbewerb. Hier fahren Kutschen im Kreis herum, waehrend irgendwelche Schiedsrichter irgendwelche Kriterien bewerten. Und irgend eine chic aufgemachte Dame ("Landpomeranze" kommt einem spontan in den Sinn) darf am Schluss die Sieger ehren. Wir sind fasziniert.

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Weiter gehts. Nun duerfen wir Traktoren probesitzen. Mathias scheinen meine imaginaeren Fahrkuenste nicht zu ueberzeugen.

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Wir ziehen weiter. Es gibt eine Dosen-Ausstellung (ein Vogel, ein Auto, ein Fisch etc. gebaut aus Konservendosen), eine Moebelausstellung nach Amisher Art (ein freundlicher aelterer Herr erzaehlt uns mit Hingabe, wie man einen Schaukelstuhl baut), und eine Lego-Ausstellung - diese ist wiederum extrem niedlich. Ein riesiger Bauernhof aus Legos!

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Natuerlich verkoestigen wir uns ganz wie die Hoosiers. Wir wollen uns ja schliesslich anpassen. Also bestelle ich mir ein frittiertes Milkyway, und Julia isst eine Trutenkeule.

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Dann gibt es auch noch eine Parade. Und zwar fahren alte Traktoren vorbei, und auf ihren Anhaengern sitzen dutzende von Maedels, die alle Miss irgendwas sind. Wagen um Wagen. Miss Cherrypie, Miss Potato, Miss... keine Ahnung was noch. Corncob wahrscheinlich. Aeusserst surreal, einmal mehr. Wie im Film. Nur in echt.

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Das Highlight fuer Mathias sind definitiv die Bahnen. Ein paar Meter freier Fall, und schon strahlt er bis ueber beide Ohren!

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Zum Schluss finden wir noch ein paar Tiere. Die kleinen Ferkelchen sind ja echt niedlich. Mathias redet sie alle mit "Bacon" an und fragt, ob er mal anknabbern darf.

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Die Schafe sind auch interessant, offenbar gibt es am naechsten Tag eine Vorfuehrung oder einen Wettkampf oder so, und daher sind alle Farmer ihre Viecher am herausputzen. Sie bekommen einen chicen Haarschnitt und werden blitzeblank poliert. Das rechts im Hintergrund ist offenbar bereits fertig und hat seinen Pyjama an, damit es sich bis morgen nicht wieder dreckig macht!

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Auch Kuehe hat es noch und noecher, hier wird wohl auch irgendwann die schoenste gekuert. Interessant finde ich ja, dass die Kuehe bequemes Stroh und Ventilatoren haben, waehrend die Menschen vor ihren heissen Zelten auf billigen Klappstuehlen sitzen. Es ist klar, wer hier wichtiger ist!

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Nach dieser surrealen, aber aeusserst interessanten und amuesanten Erfahrung sind etwa alle Klischees ueber den Midwesten bestaetigt, und wir koennen Alex und Julia beruhigt weiterziehen lassen.

West Lafayette, IN

Wir hingegen bleiben jetzt eine Weile in West Lafayette, denn das Herbstsemester faengt wieder an. Profis erkennen auf diesem Purdue-Selfie zum einen den Engineering Fountain, und zum anderen den Purdue Bell Tower. Das Wichtigste in einem Bild!

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Dann ist es Zeit, uns von unserem Kollegen Siarhei zu verabschieden. Nach zwei Jahren in Lafayette zieht es ihn in eine Grossstadt, nach New York... Niemand kann es ihm veruebeln. Das Abschiedsgrillen im Happy Hollow Park ist zwar auch ganz nett, aber New York ist wahrscheinlich netter!

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Der Happy Hollow Park wurde vor ein paar Wochen etwas aufgebessert: Statt im Matsch kann man nun auf diesem tollen Holzsteg spazieren. Der gefaellt mir extrem gut!

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Mathias hingegen laesst das Spazieren gleich ganz sein und geht lieber reiten. Der Professorenausflug dieses Jahr beinhaltet ein Reitabenteuer. Und weil es die USA ist, muessen sie Helme tragen und bekommen ein Leiterchen zum aufsteigen. Und dann geht es einmal im Kreis herum, und fertig ist der Spass.

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Am 20. August heiraten unsere Bekannten Daniele und Jason. Daniele ist ein Italiener, der fuer sein Doktoratsstudium nach Purdue gekommen ist. Bald werden die zwei nach California ziehen. Zuerst wird aber in Lafayette Hochzeit gefeiert, und zwar mit der gesamten eingeflogenen italienischen Familie und vielen Freunden. Da viele der Italiener nur gebrochen Englisch sprechen, und die ganzen Amerikaner natuerlich kein Italienisch koennen, wird fast alles uebersetzt. Die Zeremonie ist extrem romantisch. In Amerika lesen sich die Partner jeweils "Vows" vor, so eine Art Ehegeluebde. Als Jason in gebrochenem Italienisch zu sprechen beginnt, kommen sogar uns fast die Traenen. Sooo haerzig! Anschliessend wird selbstverstaendlich ausgelassen gefeiert, und bis in die fruehen Morgenstunden getanzt. Alles Gute, Daniele und Jason!

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Bald darauf habe ich Geburtstag, Mathias hat mir netterweise einen Kuchen gebacken, und ein paar tolle Geschenke bekomme ich auch noch! Merci!

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Doch kurz darauf zischt Mathias schon wieder ab, da er an eine Konferenz in Serbien geht.

Srbija

Serbien ist einwohnermaessig mit der Schweiz vergleichbar, flaechenmaessig ist es jedoch mehr als doppelt so gross. Mathias und Kollege Florian gefaellt es hier sehr gut. Sie freunden sich mit einer lokalen Bikergruppe an, die sie ueber ihren Taxifahrer kennen gelernt haben.

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Zufaelligerweise laeuft Mathias in Novi Sad, der zweitgroessten Stadt Serbiens, noch am Set eines Films vorbei. Was man nicht alles sieht!

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Auch ein Kurzausflug nach Kroatien liegt drin. Hier muss man fuer Geocaches hart arbeiten!

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Und dann kommt er wieder zu mir nach Hause. Hoechste Zeit, denn bald kommen meine Eltern zu Besuch!

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